In der vergangenen Woche erreichte der Goldpreis mit 227,20 Dollar je Feinunze (31,10 Gramm) einen neuen Höchststand. Der Versuch der Weltwährungsexperten, Gold – zu entdemotisieren, es also zum bloßen Metall zu degradieren, ist gescheitert. Gold wird zunehmend wieder zur Währüngsabsicherung benutzt In der Praxis ist es erneut zur Reservewährung Nummer 1 geworden, die in demselben Maße an Bedeutung gewinnt, wie sich der Dollar abschwächt.

Seit 1968 bis heute ist der Goldpreis für eine Feinunze von etwa 40 auf 227 Dollar gestiegen, also um etwa 467 Prozent. Für den deutschen Käufer, der Gold gegen Mark erworben hat, sieht die Rechnung weniger sensationell aus. Denn in der gleichen Zeit fiel der Dollarkurs von rund 4 auf 1,87 Mark – oder um 53 Prozent. Immerhin: Wer 1968 für eine Unze 160 Mark aufzuwenden hatte, würde bei einem Wiederverkauf heute, 424 Mark, also mehr als das Zweieinhalbfache, bekommen. Der "Zinsverzicht" für ein Jahrzehnt ist zu verschmerzen.

Der Rekordpreis für Gold, gilt aber nur auf. Dollarbasis. Der Goldpreis je Kilogramm in Mark lag 1975 höher als heute. Das trifft übrigens auch für die meisten Goldmünzen zu. Anfang 1975 kostete der Krüger Rand (1 Feinunze) 550 Mark, heute ist er trotz der Goldhausse zu 449 Mark erhältlich. Und so kommt es auch, daß der Goldmünzenindex des Bundesverbandes deutscher Banken, der am 1. Januar 1975 erstmals errechnet und mit-100 gleichgesetzt, wurde, diesen Wert bisher nur unwesentlich überschritten hat.

Dies, meine verehrten Leser, sollten Sie sich in Erinnerung rufen, wenn von der Goldpreishausse die Rede ist. Sie basiert im wesentlichen auf der Dollarschwäche. Alle anderen Faktoren, die den Goldpreis treiben, sind zweitrangiger Natur.

Die Angst vor einem weiteren Anstieg der-Geldentwertung in den USA läßt immer mehr Amerikaner ins Gold flüchten. Und nicht nur sie. Wer irgendwo in der Welt Dollar verdient, versucht sie so rasch wie möglich loszuwerden. Das gilt besonders für einen Teil der Opec-Länder. Selbst die Länder der Dritten Welt sind mehr an Gold als an Dollar interessiert. Banken wollen jedenfalls beobachtet haben, daß sie bei den regelmäßigen Goldversteigerungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) über Dritte als Käufer auftreten, anstatt die auf sie entfallenden Auktionserlöse in Dollar zu beziehen. Der Vertrauensschwund in den Dollar ist eben weltweit.

Daran wird sich auch in absehbarer Zeit nichts ändern. "Nur eine konsequente Politik zur Eindämmung der Inflationsraten und der Handelsbilanzdefizite könnte das Interesse an der Geldanlage abkühlen", meint die Bayerische Vereinsbank in einem Exposé über den Goldmarkt. Und schließt gleich an: "Die Prognosen für entsprechende Maßnahmen sind aber nicht günstig." Auch Wilfried Guth, einer der Sprecher der Deutschen Bank, meldet Zweifel an, ob es Präsident Carter gelingen wird, in der Bekämpfung der Inflation Fortschritte zu erzielen.

Deswegen vertritt die Mehrzahl der deutschen Banken die Ansicht, daß der Geldpreis im Trend weiter steigen wird. Ob auch deutsche Goldbesitzer davon profitieren, hängt von der Mark/Dollar-Relation ab. Sinkt der Dollarkurs gegenüber der Mark weiter, wird von der Goldhausse nur. ein kleiner Teil bei uns, hängenbleiben.