Jahrzehntelang hat es nur zwei oder drei Kochbücher für Kinder gegeben, die sich dafür bis heute in der Erinnerung ihrer Benutzer gehalten haben. Sie wurden oft verschenkt, wenn sich junge Leute in der ersten eigenen Bude auch das erste Mal an den Herd stellten.

Denn das ist der einzige Unterschied zwischen einem Kochbuch für Erwachsene und einem für Kinder: das letztere rechnet mit absolut Ahnungslosen und muß genau erklären, warum man was wann und wie machen muß und zu welchem Zweck das geschieht. Fehlt diese Erläuterung, so ist nicht einzusehen, warum Eltern zum Beispiel 28 Mark ausgeben sollten statt der sechs oder fünf Mark für eins, der zahlreichen Grundkochbücher in Paperback. So oder so: Zu Kinderkochbüchern mochte sich kein Verlag entschließen, bis zweierlei geschah: Erstens wurden die Bundesbürger so unübersehbar dick und trotz aller Mühe von Ärzten und Schlankheitsaposteln nicht dünner, daß die Fachleute das riefen, was in ähnlichen Situationen (Sex, Verkehrssicherheit, Medienkunde) immer gerufen wird: Aufklärung, also Ernährungsaufklärung im Kindesalter! Zweitens gibt es in unserer vorfabrizierten Umwelt für Kinder kaum noch eine Chance zu einer tatsächlich sinnvollen und kreativen Tätigkeit, bei der man den Verstand und die Sinne üben kann und außerdem noch etwas für andere tut – außer dem Kochen. Dieses Doppelmotiv hat nun seit zwei, drei Jahren eine Fülle von Kinderkochbüchern auf den Markt gebracht, die man in zwei Gruppen teilen kann: Bilderbücher und Textbücher. Eins der ersten ist immer noch das beste Bilderbuch –

Edith Schindler: "Wenn ich großen Hunger halb, fang ich an zu kochen"; Beltz Verlag, Weinheim; 48 S., 5,00 DM.

Gut, weil es die etwa drei Dutzend Rezepte in sachlich korrekten Schritt-für-Schritt-Zeichnungen vorstellt, weil diese Rezepte dem Geschmack von Schulkindern entsprechen, nicht zu schwer, nicht zu teuer oder gefährlich sind, weil die Zeichnungen eine Augenfreude und die eingewobenen Geschichten gerade das Richtige sind, damit es Kindern in den Warteminuten nicht langweilig wird. Selbständige 8- bis 10jährige können gut danach arbeiten. Mehr zum Anschauen:

Gro Songe-Möller: "Heute koch ich, morgen back ich"; Verlag Heinrich Ellermann, München; 32 S., 16,00 DM.

Es enthält 20 Grundrezepte, die wunderschön illustriert, doch für ein kochunkundiges Kind von zu knappen und manchmal fehlerhaften Rezepten begleitet sind. Den Bildern fehlen Unterschriften oder Binnentexte, die dem Kind zum

Beispiel erklären, was es für Fische sieht, wie die exotischen Gemüse heißen oder wie man Paprikaschoten entkernt. Und ob ein Bilderbuchkind mit einem ganzen gekochten Fisch zurechtkommt, möchte ich bezweifeln. Vollkommen unbekümmert geht auch –