Dokumentierte nicht ausgerechnet die Aufnahmetechnik ein geradezu unverständliches Versagen, könnte man guten Gewissens bei dieser Debüt-Platte von einer der besten Brahms-Einspielungen der jüngeren Zeit sprechen:

Johannes Brahms: "Variationen über ein eigenes Thema/ Scherzo F-moll/Phantasien opus 116"; Gerhard Oppitz, Klavier; EMI-Electrola 1C 057-30806

Man müßte auf den zu früh verstorbenen Julius Katchen zurückgreifen, um Vergleichbares heranzuziehen. Endlich also kann man nach dem vielfach überschätzten Christoph Eschenbach wieder ein deutsches Klaviertalent im Ausland vorweisen, das seit dem Arthur Rubinstein-Wettbewerb in Paris (1977) zwar sprunghaft ins internationale Rampenlicht getreten ist, dem aber nichts Flausenhaftes in den Kopf gestiegen ist. Zu Brahms hat der 25jährige Süddeutsche, was die Platte Takt für Takt belegt, ein sehr enges Verhältnis: Er besitzt den packenden Zugriff, das Feuer, den elektrisierenden rhythmischen Nerv und ein poetisches Ausdrucksvermögen. Das Bizarre wie das Kantable legt er musikalisch und technisch makellos frei, im homophonen Geflecht wie in der logisch und dynamisch exakt kalkulierten vertikalen Linie. Gerhard Oppitz kann sich in Sachen Brahms mit den großen seiner Zunft messen, selbst mit Arthur Rubinstein, der dies spontan erkannte und ihm den ersten Preis verlieh. P. F.