Von Derek Bromhall

David Rorviks Buch Nach seinem Ebenbild beginnt mit einem Telephongespräch zwischen dem Autor und Max, einem Millionär in vorgeschrittenem Alter. Max, über den weitere Angaben fehlen, bittet Rorvik, ihm unter absoluter Verschwiegenheit einen Wissenschaftler zu beschaffen, der ihm mittels Klonen zu einem Sohn verhelfen kann – das heißt: durch ungeschlechtliche Fortpflanzung eine genetische Kopie seiner selbst herzustellen.

Eigentlich sollte ein auf Diskretion bedachter Millionär, einen weniger risikoreichen Mittelsmann als ausgerechnet einen freien Journalisten finden können. Wie dem auch sei – Rorvik tat sich mit Max und einer Million Dollar als Köder zusammen und machte sich auf die Suche nach Wissenschaftlern, die den gewünschten Ansprüchen genügen könnten.

Der angeblich entdeckte Gelehrte – von Rorvik nur als Darwin tituliert – ist Gynäkologe und hat sich während seiner Laufbahn umfassend mit dem Verhalten von Eizellen, Spermien, Embryonen und Feten beschäftigt. Vorausgesetzte diese vielseitige Persönlichkeit existierte wirklich, ihr Verschwinden in Max’s Geheimprojekt würde den Berufskollegen wohl kaum verborgen geblieben sein.

Das Laboratorium, in dem Darwin und sein Team tätig waren, lag – so wird uns berichtet – irgendwo im tropischen Orient, wo eine Anzahl bereitwilliger, jungfräulicher Orientalinnen sich nichts sehnlicher wünscht, als ihre Eizellen und ihren Leib den unermüdlichen Experimentatoren zur Verfügung zu stellen. Sie müssen fürwahr unermüdlich gewesen sein, denn wir sollen glauben, daß eine Gruppe von drei Wissenschaftlern in nur zwei Jahren sämtliche Voraussetzungen für das Klonen eines Menschen perfektionieren konnten. Sie verschwendeten erst gar keine Zeit mit Tierversuchen im Labor. Sie überwanden den (wissenschaftlichen) Abgrund zwischen einem jungen Frosch und einem alternden Millionär mit einem atemberaubenden Sprung.

David Rorvik: Nach seinem Ebenbild. Der Genetik-Mensch – Fortpflanzung durch Zellkern-Transplantation. Wolfgang Krüger Verlag, Frankfurt, 1978; 304 S., 29,80 DM.

Man fragt sich, was wohl in einem angesehenen und verantwortungsbewußten Verleger vorgehen mag, der die Glaubwürdigkeit dieser Geschichte einzuschätzen versucht, ehe er sie auf den Markt bringt. Denn bereits hier stolpert man über Ungereimtheiten, und es kommen noch etliche hinzu.