Knabberrabber hat mit der Legion von Literaturhasen (angefangen bei Carroll, über Koch-Gotha bis zu Stevensons Malte Maitzahn) lediglich die langen Ohren gemeinsam. Im übrigen sieht er nach dem Willen des Illustrators eher aus wie Millowitsch, hat ein Hasenhirn, das vollgestopft ist mit der Idee, berühmt zu werden, sammelt Pusteblumen und singt Hasenmärsche. Die andern Hasen halten Knabberrabber unter anderem deshalb für verrückt, weil er behauptet, Ente zu sein, fliegen zu können, und Mohrrüben im Kopfstand knabbert. Alle blödsinnigen Anstrengungen bewirken immerhin dieses: Knabberrabber ragt löffellang aus der Hasenmasse heraus und wird tatsächlichSuperhase. Man spricht, flüstert und diskutiert über ihn. Als Hasen-VIP wird er dann leider größenwahnsinnig und macht sich in jedes Hasenohr einen Knoten. Deshalb kann er auch nichts hören, und der Fuchs frißt Knabberrabber auf. Die Moral der Geschichte von –

Helme Heine: "Der Superhase"; Middelhauve Verlag, Köln; 26 S., 16,80 DM

erinnert ein bißchen an Struwwelpetergeschichten. Aber so rigoros wie Dr. Heinrich Hoffmanns Strafkatalog will Helme Heine seine Bildergeschichte nicht verstanden wissen. Eher eine sarkastische Vorwarnung sollen sie haben, die Angeber und Aufschneider. Die witzig, frech gezeichnete Hasen-Allegorie soll ironisch soviel sagen: wer sich spreizt, bläht, brüstet und den Superhasen markiert, muß zur Strafe früher ins Gras beißen. Knabberrabber kriegt zwar ein gewaltiges Standbild im Hasenland, aber dafür sieht er sich die Mohrrüben von unten an. Helme Heines Illustrationen sind deftig, derb und komisch: Ulkereien In Aquarell getunkt. Und Kinder haben an diesem karikaturistischen Stil, der übertreibt und Kobolz schlägt, sattes, pralles Vergnügen. Ob Knabberrabbers Hasengeschick sie hinlänglich warnen wird, später Knoten in den Ohren zu tragen, weiß man indessen nicht.

U. B.