Bahnurlauber werden vom nächsten Jahr an umworben wie seit den Anfangsjahren des organisierten Tourismus nicht mehr. Die Deutsche Bundesbahn, mittlerweile selbst ein erfolgreicher Ferienveranstalter, erweitert ihr Angebot, investiert in den Komfort der Züge und konzentriert sich auf gewinnversprechende Teilmärkte wie Gesellschaftsfahrten und Kurzurlaub. Und der Reisebranchenführer Touristik Union (TUI) hat sich nach jahrelangen Überlegungen entschlossen, eigene Eisenbahnwagen bauen zu lassen. Hintergrund dieser Bemühungen sind zum einen der wachsende Konkurrenzdruck durch Auto und Flugzeug, zum anderen ein Zuversicht verbreitender Trend zu Bahnferien.

Satte Zuwachsraten kann die Bundesbahn mit ihrem Touristikprogramm vorweisen. Die "DB-Pauschalreisen", zur Zeit für sechzig Zielorte erhältlich, werden nach Expertenschätzung in diesem Jahr auf ein Plus von weit über fünfzig Prozent und rund 35 000 Buchungen kommen. Die gefragtesten deutschen Ziele waren in diesem Programm Sylt, Bad Harzburg und Oberstdorf, jenseits der Grenzen heißt die Reihenfolge Lugano, Interlaken und Bozen.

München, Berlin und Hamburg beziehungsweise Paris, Kopenhagen und Wien erfreuen sich hingegen im "Städtetouren"-Programm der Bahn größter Beliebtheit. Neu in dieses Programm sind jetzt Braunschweig, Kassel, Venedig und Moskau gekommen. Die drei Touren zur nicht gerade nahe gelegenen Sowjet-Metropole sind nicht mehr zu buchen. Die Nachfrage übertraf das Testangebot; jetzt will die Bundesbahn für 1979 zusätzliche Moskau-Termine aushandeln. Für das olympische Jahr darauf sind entsprechende Städtetouren an die Moskwa schon fest vereinbart.

Beim Reiseveranstalter Ameropa, einer Bundesbahntochter, schaut man ebenfalls erwartungsfroh in die Zukunft. An eine Renaissance des Verkehrsmittels Bahn für die Urlaubsreise glaubt das Unternehmen zwar nicht ("Auto und Flugzeug sind da übermächtig"), aber mit Gesellschaftsreisen und Kurzurlaubsfahrten sei eine gute Ernte einzufahren, hieß es in der Frankfurter Zentrale.

Dort erwarten die Ferienplaner auch schon sehnsüchtig die "neuen" Liegewagen der Bundesbahn: 200 dieser tristen und, komfortkargen Waggons werden jetzt sukzessive umgerüstet – mit freundlichen Farben, bequemeren Polstern, verbesserter Belüftung, und verstellbarem Mittelbett ausgestattet.

TUI, mit den Marken Hummel, Touropa, Dr. Tigges und twen tours international per Schiene unterwegs, will ihre Kunden gar mit Luxus locken: Für 35 Millionen Mark läßt sie sich einen "Ferienexpreß" mit 30 Reise- und drei Gesellschaftswagen bauen. Die Neubauten entsprechen etwa den heutigen TEE-Waggons, jedes Abteil sollen sich aber vier Personen teilen. Für sie gibt es auch die entsprechenden Betten, ein mitreisendes Kind findet überdies eine zusätzliche Koje im Abteil. Individuell regulierbare Klimaanlage, Schließfächer und Speise- wie Getränkeservice vervollständigen das Angebote

Vorläufig will TUI die Züge nur zu Fahrten ans Ferienziel nutzen. Mit den rollenden Herbergen eine "Kreuzfahrt auf Schienen" aufzulegen, bleibt noch ein Wunschtraum. Die Wagen wären dafür zwar geeignet, nicht aber die entsprechenden Bahnhöfe – noch hat keine Station eine Vorrichtung zum Absaugen der Chemietoiletten. Doch auch das ist schon eine internationale Verhandlungssache geworden. Klaus Viedebantt