"Musica populär Brasileira" von Claus Schreiner. Seit Südamerika durch seine Gitarristen (Baden Powell, Tapajós, Gismonti) oder seine Sängerinnen (Maria Bethania, Clara Nunes) im musikalischen Bewußtsein vieler Mitteleuropäer präsent geworden ist, seit auch (ein lang überhörten Komponist wie) Heitor Villa-Lobos in Musikprogrammen ernstgenommen wird – hat sich auch das Bedürfnis entwickelt, mehr darüber zu erfahren, genauer, über die zeitgenössische brasilianische Musik. Da nicht nur die gewöhnlichere musikhistorische Handliteratur, sondern sogar die umfangreichste Enzyklopädie mit Antworten, besonders zur lateinamerikanischen populären Musik und ihren eigenartigen Facetten geizt, wäre man schon mit einem durchschnittlichen Lückenbüßer zufrieden gewesen. Wie angenehm, daß der vom Thema faszinierte Journalist Claus Schreiner mit seinem Buch viel mehr zustandegebracht hat: ein umfassend informierendes Kompendium über die brasilianische volkstümliche Musik mit ihren reinen und ihren Mischformen aus so unterschiedlichen Quellen wie Folklore, europäischer Tradition, afrikanischen Importen, Jazz. Es ist mit didaktischem Geschick gegliedert, es erklärt mit großer Geduld und Genauigkeit; geschrieben ist es in einer direkten, in der U-Musik-Branche gebräuchlichen, nicht sonderlich geschliffenen Sprache. Seinen besonderen Wert erhält es durch viele wichtige Beigaben (gedruckte oder skizzierte) Notenbeispiele, Liedertexte, gut ausgesuchte Illustrationen (Verlag Tropical Musik, Darmstadt, 1978; 276 S., Abb., 29,– DM). Das Buch wird möglicherweise für einige Zeit das am besten informierende Buch zum Thema bleiben, komplettiert höchstens von Ergänzungen wie dieser: "Cantaré – Songs aus Lateinamerika." Die Anthologie enthält viele Texte südamerikanischer politisch-folkloristischer Lieder (in der Originalsprache und auf deutsch), dazu einige meist kurze erläuternde Artikel, die manchmal Voraussetzung sind für das Verständnis der Lieder (Weltkreis-Verlag, Dortmund, 1978; 464 S., Abb., 16,80 DM). Manfred Sack