Bielefeld: "Louis Cane"

Daß er als Maler verstanden werden will, stellte er bereits vor zehn Jahren unmißverständlich fest. Damals stempelte er Namen und Profession gleich einige Dutzend Male auf Leinwand und Papier: "Louis Cane – artiste peintre". Die in einer Zeit der Abkehr von der Malerei auch als Provokation gedachten Arbeiten von ’68 bilden jetzt den Auftakt zu einer unter dem Motto "Die ersten zehn Jahre eines Malers" zusammengestellten Mammutschau, mit der die Bielefelder Kunsthalle das Werk des 35jährigen Franzosen ins Blickfeld rückt. Schwergewichtig wie die Ausstellung, die auf zwei weitläufigen Etagen mehr als 120 Gemälde und Zeichnungen präsentiert, gibt sich auch der zweisprachige Katalog: auf rund 250 Seiten sind neben drei ausführlichen Interviews mit dem Künstler auch mehrere seiner umfangreichen Texte zum eigenen Werk abgedruckt. Louis Cane, der sich von der amerikanischen Maler-Avantgarde abzugrenzen und die Tradition der europäischen Malerei in seine Arbeit einzubeziehen sucht und dabei immer wieder Namen wie Giotto, Matisse, Cézanne nennt, kann allerdings nur schwer halten, was die außergewöhnlich umfassende Präsentation vermuten lassen könnte. Seine häufig Formen der Architektur aufnehmenden Bilder können nur selten wirklich neue Bereiche erschließen, bekannte Grenzen überwinden und über vertraute Rahmen hinausgelangen. Zu den Ausnahmen zählen die mit einem Zerstäuber in delikaten Farben gemalten "Wand"- und "Wand-Boden"-Bilder. Cane schneidet hier die Leinwand auf, klappt Teile heraus und läßt sie nach unten fallen. Das ungerahmte Wandbild setzt sich auf dem Boden fort, besetzt einen für Bilder ungewöhnlichen Raum, stellt sich dem Betrachter in den Weg. Eine so deutliche Einbeziehung des Umraums in das Bild findet in den neuesten, stark farbigen Arbeiten nicht mehr statt. In einem nicht geplanten, offenen Malprozeß setzt Cane angedeutete Balken und Bögen auf die Leinwand, zerstört die vormals strengen Formen und bleibt dabei doch in überschaubaren Bereichen. Einer Gefahr kann Louis Cane auch hier einmal mehr nicht entgehen: mit seiner großangelegten Malerei im Kunstfeld des Dekorativen zu landen (Kunsthalle bis 12. November, Katalog 25 Mark). Raimund Hoghe

Karlsruhe; "Künstlerehen"

Jahrhundertelang war die Frau in der Kunst einseitig auf die unproduktive Rolle fixiert, sie war nicht Malerin, sondern Modell. Mit der Aufklärung kam die Emanzipation der Frau als Künstlerin, noch nicht die Gleichberechtigung der Künstlerin als Frau. Eines hatten männliche wie weibliche Künstler gemeinsam – der jeweilige (Ehe-)Partner war lediglich ein biographisches Anhängsel, Künstlerehen waren selten, eine Dokumentation im Katalog zählt nur ein rundes Dutzend Beispiele auf. Nach 1945 allerdings nimmt ihre Zahl sprunghaft zu. In der Ausstellung werden zehn Paare vorgestellt. Partnerschaft oder Konkurrenz? Es fällt auf, daß die Paare, sofern sie nicht gemeinsam produzieren: Hilla und Bernd Becher (photographische Dokumentation von Industriearchitektur), Anne und Patrick Poirier (spurensichernd-phantasievolle Rekonstruktion von Bauwerken) oder Marina Abramovic und Ulay (Performance), mit verschiedenen Medien arbeiten; in diesem Punkt gibt die Ausstellung allerdings keine genaue Auskunft, getrennte Produktion im gleichen Medium kommt durchaus vor. Es ist schwierig (und vermutlich auch nicht sinnvoll), bei Gemeinschaftsarbeiten den jeweils individuellen Anteil auseinanderzudividieren. In den anderen Fällen ist die gegenseitig? Beeinflussung, soweit vorhanden, sichtbar. So kommen die Malerin Erdmut Brahmke und der Bildhauer Christof Freimann auf der Grundlage verwandter Überlegungen zu parallelen Ergebnissen, haben Monika Baumgartl, die Photographin, und Klaus Rinke in ihren Arbeiten die Thematisierung des Faktors Zeit gemeinsam (Badischer Kunstverein bis zum 12. November, Kunstforum 4/78 als Katalog 18 Mark).

HelmutSchneider

Wichtige Ausstellungen

Baden-Baden: "Positionen der Zeichnung in Österreich heute" (Staatliche Kunsthalle bis 29. Oktober, Katalog 13 Mark)