Die Unfälle auf Grund fehlerhafter Produkte werden bei uns bisher kaum erforscht

Von Anke Martiny

George Nichols besteht darauf, daß ich wiederkomme. Den langen Weg von den Untersuchungs- und Forschungslabors, wo er eigentlich residiert, in die City von Washington will er gern ein zweites Mal fahren, wenn er dann ganz sicher sein kann, auch wirklich alle Fragen über die Consumer Product Safety Commission, die Kommission für die Sicherheit von Konsumgütern, beantwortet zu haben.

Es gibt wohl keinen deutschen Besucher, der nicht aufs höchste beeindruckt die Consumer Product Safety Commission verließe. Was so fasziniert, ist weniger die gesetzliche Grundlage, auf der die Arbeit der Kommission beruht – die haben wir im Grunde auch –, als vielmehr die Systematik und Effizienz, mit der man Unfallursachen nachgeht und sie aus dem Weg räumt.

In der Bundesrepublik wird Gerätesicherheit auf der Grundlage des "Gesetzes über technische, Arbeitsmittel (auch "Maschinenschutzgesetz" genannt) von den Berufsgenossenschaften und den Gewerbeaufsichtsämtern überwacht. Eine dem Bundesarbeitsminister unterstehende Bundesforschungsanstalt versucht, durch begleitende Forschungen die Unfallziffern bei uns zu senken. Nennenswerte Erfolge waren bisher nicht zu verzeichnen, wie der alle zwei Jahre zu erstattende Unfallverhütungsbericht der Bundesregierung ausweist. Dieser Bericht wird vom Parlament seit Jahren ohne Ausspräche schlicht zur Kenntnis genommen, so als ginge das Problem die Parlamentarier eigentlich nichts an.

Das soll nun anders werden. Denn seit der Sommerpause wird eine Novelle zum Gesetz über technische Arbeitsmittel im Ausschuß der Arbeit und Sozialordnung beraten. Eingebracht wurde die Novelle durch das Land Bayern und den Bundesrat – wovon die mit den Unionsparteien sympathisierenden Wirtschaftskreise nun aber nichts mehr wissen wollen.

Die Unfallursachenforschung und -statistik in der Bundesrepublik zeichnen sich außerhalb des gewerblichen Sektors, wo die Berufsgenossenschaften sich unbestreitbar Verdienste erworben haben, weder durch Stetigkeit noch durch Präzision aus. Zwar hat es 1960 einmal eine Repräsentativumfrage durch ein Meinungsforschungsinstitut gegeben, aus der man eine Gesamtzahl von Unfällen in Haushalt und Freizeitbereich von zwei Millionen jährlich hochrechnete. Diese Methode hat Anfang der siebziger Jahre die Dortmunder Bundesanstalt spezifiziert, nachdem der Bundestag auf eine genaue Analyse gedrungen hatte. Doch obgleich aus dieser Befragungsaktion nicht nur höhere Zahlen, sondern durchaus auch graduelle Verteilungen ersichtlich sind, bleibt das Instrument natürlich fragwürdig: Wer erinnert sich schon gern an einen Haushalts- oder Sportunfall bei sich oder seinen Kindern und gibt über die mutmaßliche Ursache zuverlässig Auskunft?