Die bekanntesten zoologischen Gärten in Deutschland: Was sie wollen, was sie können

Von Harald Steffahn

Es gibt Schattenexistenzen des Zoos, und es gibt geborene Attraktionen. Manche Tierart, mag sie gehörntes Filigran sein wie der Große Kudu, wuchtige Eleganz wie das Watussi-Rind, dienen den meisten nur als eiweißhaltiges Füllmaterial auf dem Weg vom Nervenreiz zum Lachreiz, vom Raubtierhaus zu den Pavianen, von den Schlangenkäfigen zur Arktiswelt. Da ballt sich das Interesse, und viele Zoomagneten tun ja was fürs Geld. Die befrackten Männchen stehen lange wie frierend da mit hochgezogenen Flügeln in der Südpolgegend aus Pappmaché, wo man sich als Zuschauer für zehn Minuten in die Rolle Amundsens versetzt – bis sie nach dem erwarteten Sprung beweisen, wo ihr wahres Element ist. Bei geschickter Bauweise ist der umgekehrte Vorgang noch spannender: Der Pinguin schießt raketengleich hinter der dicken Scheibe aus dem Wasser, direkt in den Stand. Da steht er dann wieder, als könnte er kein Wässerchen trüben.

Durch Grzimek hoffähiger

Vom Goethehaus geht man eine gute Viertelstunde zu Doktor Faust. Der Frankfurter Zoodirektor hat dem Wissenskosmos seines literarischen Namensvetters das Berufsbild des Zoologen angefügt. Er nennt sich einen "eingefleischten Tiergärtner". Obwohl erst mittleren Alters, leitet der Rheinhesse schon seit einem Vierteljahrhundert Tiergärten und liegt darin mit seinen Kollegen Heinz-Georg Klös (Westberlin) und Dietrich Hagenbeck (Hamburg) etwa gleichauf.

Als diese Generation Führungsaufgaben übernahm, waren die gröbsten Aufräumarbeiten vorbei; In Frankfurt hatten dreißig Tiere den Krieg überlebt, aus den Feuernächten Berlins erinnern Einwohner sich, wie verstörte Elefanten den Kurfürstendamm entlanggestürmt sind; Hagenbeck war "nur" zu achtzig Prozent zertrümmert. Das alles ist lange überwunden. Heute sorgen sich die restaurierten Mikrokosmen eher um Modernisierung und Ausbau und wachsen vielfach über die angestammten Grenzen hinaus.

Dem Umfang nach ist der Frankfurter mit zehn Hektar nur ein kleiner Zoo. Die Tierparks in München und Westberlin sind viermal so groß, gar nicht zu reden von den hundert Hektar der Konkurrenz in Ostberlin (wo übrigens ein Gespräch mit der ZEIT abgelehnt wurde, obwohl es kommunistische und kapitalistische Tiere nicht gibt) oder von den Abmessungen des Nürnberger Zoos (70 Hektar). Hagenbeck behauptet mit 25 Hektar einen Mittelplatz. Wenn die Rundreise zum Thema "Probleme, Aufgaben, Selbstverständnis heutiger Zoos" dennoch am Main begann, so war das vermutlich ein irrationaler Ausdruck der Werbewirkung, die Bernhard Grzimeks Fernsehstammtisch ausstrahlt. Platte für Tiere steht in der Main-Metropole, auf dem Areal zwischen Brehm-Platz und der Kirche St. Nicolai, nur begrenzt zur Verfügung, aber die Bewußtseinsposition Frankfurts, der zugesprochene Rang, reicht weit darüber hinaus.