Der Münchner Textilindustrielle Ludwig Kuttner, der in den letzten Jahren mancherlei Liquiditätsprobleme hatte, ist auf dem besten Wege, sich weitere flüssige Mittel zu beschaffen: Er dürfte sich, zu einem recht guten Preis, von der etwa 13prozentigen Beteiligung bei der US-Firma Texfi Inc. in Greensboro (NC) wieder trennen. Kuttner ist dort Anfang 1974 mit großen Hoffnungen für einen zweistelligen Millionenbetrag eingestiegen und hat später, wie er selbst zugab, "Geld verloren", als die Kurse purzelten. Nun scheint er diese Verluste wieder ausgeglichen zu haben.

Zwar ist Kuttner nach wie vor nicht ohne Sorgen: Seine Hauptfirma NAK Stoffe KGaA in Augsburg wird für 1977 keine Dividende zahlen, schon im Jahr zuvor war die auf zehn Prozent halbierte Ausschüttung nur dank der abgeführten Gewinne der Tochter Pongs & Zahn in Bochum möglich. Aus steuerlichen Gründen wurde seinerzeit die Dividende aus Bochum gleich für zwei Jahre vereinnahmt, so daß nun von dort gar nichts kam. Der Betriebsverlust der NAK war jedoch schon 1977 geringer, und jetzt soll sie bereits in den schwarzen Zahlen sein.

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Verteidigungsminister Hans Apel und sein Rüstungsstaatssekretär Karl Schnell versuchten sich Anfang der Woche als Verkaufsrepräsentanten von Krauss-Maffei. Eine Gruppe holländischer Abgeordneter informierte sich in Bonn über den Kampfpanzer Leopard II aus der Münchner Waffenschmiede, Die Niederländer wollen 400 bis 450 – Panzer bestellen, haben aber auch den US-Panzer XM 1 in die engere Wahl gezogen. NeuralgischerPunkt ist der Preis. Der Leo II kostet 2,4 Millionen Mark, der XM 1 soll 15 Prozent billiger sein.

Um den holländischen Auftrag in die Bundesrepublik zu holen, lockt Bonn mit allerlei Leo-Vorzügen – und beileibe nicht nur mit der besseren Kampfkraft. Die Niederländer sollen ihren Bedarf nicht nur selbst produzieren, holländische Firmen sollen auch noch an der Produktion. des deutschen Beschaffungsanteils teilhaben. Außerdem ist vorgesehen, die Holländer später an der Nachfolgeentwicklung für den Leo II zu beteiligen.

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Eine neue "Goldgrube" hat die Rheinische Braunkohlenwerke AG, Tochtergesellschaft der Rheinisch-Westfälisches Elektrizitätswerk AG (RWE), in dieser Woche aufgemacht. Sie nahm im rheinischen Braunkohlenrevier den Tagebau Hambach I in Betrieb, der über Braunkohlenvorräte von 2,4 Milliarden Tonnen verfügt. Obwohl die Förderkosten wegen der größeren Tiefe der Kohle höher liegen als in den bisherigen Tagebauen, hat auch die dort gewonnene Braunkohle einen deutlichen Kostenvorsprung vor den konkurrierenden Energieträgern Erdöl und Erdgas, von der Steinkohle ganz zu schweigen. Darüber hinaus ließ sich der RWE-Konzern das Geschäft jedoch noch durch steuerliche Vergünstigungen versüßen.