• Die deutschen Reeder beklagen seit längerem die sowjetische Konkurrenz auf dem Gebiet des Seefrachtverkehrs. Der Verkehrsminister hat darüber schon im vergangenen Jahr in Moskau verhandelt, es wurden Expertengespräche vereinbart. Sie kommen gerade von einem Expertengespräch aus Leningrad zurück. Wo liegt das Problem?

Woelker: Seit einigen Jahren beteiligt sich die sowjetische Flotte stärker am bilateralen Massengut-Schiffahrtsverkehr mit der Bundesrepublik Deutschland. Besonders aber haben auch weltweit ihre Transporte zugenommen, vor allem im Linienverkehr zwischen der Bundesrepublik und Drittländern, dem sogenannten "cross trade". Die UdSSR nimmt die Welthandelsfreiheit auch für sich in Anspruch und kann entsprechend unsere Häfen anlaufen. Dabei verfolgt sie generell die Tendenz, die Frachtraten – also die Preise – im Seeverkehr besonders beim "cross trade" zu unterbieten. Dadurch vergrößert sie ihren Anteil am "Kuchen", das heißt am Ladungsaufkommen über deutsche Häfen.

  • Nun gibt es aber doch Regeln für die Höhe von Frachtraten.

Woelker: Es gibt bestimmte Fahrtgebiete auf der Welt, für die sich mehrere Schiffahrtsgesellschaften zu Konferenzen zusammengeschlossen haben, in denen über Preise und Anteile gesprochen wird. Die UdSSR ist daran in den meisten Fahrtgebieten vorerst nicht beteiligt. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, daß die sowjetische Schiffahrt sich erst einen gewissen Anteil an der Fracht verschafft und dann den Wunsch ausspricht, den Konferenzen beizutreten. Solange sie Außenseiter ist, ist es ihr leichter, durch die Unterbietung der Frachtraten erst einmal einen größeren Anteil zu gewinnen, um dann in der Konferenz den Anspruch zu erheben, ihre Position zu halten.

  • Wie lautete nun die deutsche Forderung in Leningrad?

Woelker: Die deutsche Seite, Wirtschaft und Reedereien saßen dabei mit am Tisch, forderte von der sowjetischen eine spürbare Selbstbeschränkung vor allem beim "cross trade".

  • Wie könnte die aussehen