Es geht ums Überleben. Auf beiden Seiten. Der Angreifer möchte nicht verhungern, das ausersehene Opfer lieber selbst eine Mahlzeit einnehmen. Wohin sich die Waagschale vorzeitigen Ablebens neigt, liegt am Gewicht von Schnelligkeit und Kraft von Täuschung oder Heuchelei.

Wie man die Fülle der Möglichkeiten auswählt und meistert zeigt beispielhaft –

Renata Schiavocampo: "Wie Tiere sich verteidigen, wie sie kämpfen und angreifen", ans dem Italienischen übertragen von Hansjörg Hofer; Boje-Verlag, Stuttgart; 105 S., 22,80 DM.

Sicher, man weiß von den Raubkatzen, daß sie über eine gediegene Anzahl jagdlich hervorragend bewährter Eigenschaften verfügen. Wir kennen die Großen dieser Welt, und deshalb werden sie auch nur am Rande, als methodische Einleitung für die nachfolgenden Kapitel erwähnt. Was folgt, ist Trick und Technik, reicht von der Kunst, sich Widersacher vom Leibe zu halten, bis zum organisierten Angriff; insgesamt neun Themen, denen sich die Verfasserin mit Geschick annimmt, wobei sie sicher nicht unbeträchtlich von ihrem Übersetzer unterstützt wird.

Daß eine Blattlaus schwerlich in der Lage wäre, eine ernsthafte Auseinandersetzung mittels ihrer Kraft und Wendigkeit siegreich zu beenden, muß nach Lage der Dinge vorausgesetzt werden. Weshalb also gibt es – von Pflanzenschutzmitteln einmal abgesehen – denn noch Blattläuse? Sie verekeln den Aggressor, spritzen ihm eine Art flüssigen Wachsflaums in den gierigen Rachen mit dem Erfolg, daß Gier wie Appetit vergehen.

Tarnung, Unauffälligkeit ist das Gebot der Stunde: Im Fell des Faultiers leben Algen, die den grünen Schutz des Blätterdachs vervollkommnen. Gut getarnt auch jene Gespensterschrecken, die ein welkes Blatt als tote Existenz vortäuschen.

Von Wegelagerern ist die Rede, vom Ameisenbären und vom "schlauen" Fuchs. Dabei wird auch klargestellt, daß dergleichen allenfalls intelligenzähnlich ist. Das ist begrüßenswert. Sonst erschiene manchem Leser vielleicht die Wohngemeinschaft der Termiten als einzig vernünftig organisierte Staatsform.