Zu den vielen Siegern von Bayern zählen auch einige politische Strategen, deren Partei dort gar nicht zur Wahl stand. Sie sind im Dunstkreis des Bonner Adenauer-Hauses zu orten. Diese Christlichen Demokraten reden laut vom Erfolg der CSU, aber das stille Leuchten in ihrem Blick rührt von dem Umstand her, daß Franz Josef Strauß einen Dämpfer bekommen hat. Den Drang zur vierten Partei, so urteilen sie, hat dieses Ergebnis gewiß nicht befördert. "Ein Ergebnis nach Maß", murmelte einer, "aber ich hab’ das nie gesagt." Tatsächlich gibt es inzwischen keinen Notabeln mehr in der CDU, der sich nicht gegen eine vierte Partei ausgesprochen hätte – von Dregger bis Kiep von Biedenkopf bis Köppler, von Späth bis Filbinger.

* Mit etwas traurigem Blick verfolgen manche Freien Demokraten, wie sich die SPD des Themas "Radikale im öffentlichen Dienst" bemächtigt hat. Dies um so mehr, als die Vorschläge, die der stellvertretende SPD-Vorsitzende Koschnick jetzt vorlegte, weitgehend jenen Forderungen entsprechen, die der FDP-Fraktionsvorsitzende Mischnick, am 19. September veröffentlicht hat. Und diese Forderungen entsprechen wiederum Parteitagsbeschlüssen der Freien Demokraten.

Die FDP hat also früh und deutlich Position bezogen, inzwischen aber ist diese Position teils durch restriktive Praxis, etwa unter dem Düsseldorfer Innenminister Hirsch, teils durch rhetorische Vorsicht, etwa beim Parteivorsitzenden Genscher, wieder undeutlich geworden. "Die Sozis nehmen uns ein wichtiges Thema liberaler Politik weg", seufzte einer der Freien Demokraten.

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Die Kunst der Konfliktvermeidung kommt der FDP indes auf dem Parteitag wahrscheinlich gut zustatten. Für das vermutlich ausscheidende Präsidiumsmitglied Maihofer stehen eine ganze Reihe von Nachfolgern parat, darunter die beiden Minister Lambsdorff und Baum. Sie gegeneinander antreten zu lassen, hieße die alte Kluft zwischen links und rechts wieder aufzureißen, einen von ihnen zu wählen, würde bedeuten, die Hälfte der Parteitagsdelegierten in Rage zu bringen.

Salomonischer Lösungsvorschlag: das Präsidium um zwei Plätze erweitern, dort könnten Lambsdorff und Baum Platz nehmen. Für die Satzungsänderung ist eine Zweidrittelmehrheit notwendig. Das ist eine hohe Hürde; schließlich könnten ja auch einige Delegierte auf den nicht ganz abwegigen Gedanken kommen, daß notfalls jemand aus dem Präsidium ausscheiden müßte...

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