Es gibt nicht viele Illustratoren, die ohne Verrenkung einen kindlichen Ton treffen. In der Mehrzahl wird bunt mit grell verwechselt, einfach mit grob, phantastisch mit artifiziell. Am Ende haben Kinder nur die Wahl zwischen gelackt perfektionistischer Werbegraphik und den pseudo-naiven Stotterkünsten von Schnellmalern. In dem Bilderbuch von –

Hans Baumann (Text) und Erika Dietzsch-Capelle: "Wie Tierkinder schlafen"; Thienemann Verlag, Stuttgart; 28 S., 16,80 DM

wird überzeugend vorgemacht, daß Illustrationen ganz ohne süßliches Getue sehr poetisch aufgefaßt werden können, daß ohne naturalistische Enge Landschaften und Tiere wirklichkeitsgetreu wiedergegeben werden können, daß handwerklich perfekte Bilder nicht zwangsläufig steril oder manieriert sein müssen. Zu Baumanns Lesebuch-Gedicht von den schlafenden Tierkindern (inzwischen findet man es in jeder Anthologie für Kinder) hat die Malerin Erika Dietzsch sanfte, fein gestrichelte Gute-Nacht-Bilder gemalt. Über zufrieden schnarchenden Nashörnchen leuchtet ein weißer Mond, kleine Feneks stecken sandfarbene Schnauzen in die Abendluft und buddeln sich im Wüstensand ein. Auberginefarbig geflügelte Fledermauskinder hängen akkurat zusammengeklappt im Turmfenster, Gorillaeltern beschützen ihr Junges in blaßgrünen Dschungelverstecken, und das Känguruh träumt sorglos in den Beutel verpackt und in eine verwunschene Blattlandschaft gebettet. Den freundlichen Schlummerfrieden der Bären und Marmotten hat die Illustratorin Bild für Bild überzeugend eingefangen und sich gehütet, das Stimmungsvolle aufzublasen. Unprätentiöse Sorgfalt und differenzierte Farbigkeit machen ihre Illustrationen für Kinder und Erwachsene zu einer ungetrübten Augenweide. U. B.