Strahlenschutz war noch weitgehend unbekannt, als gegen Ende des vorigen Jahrhunderts die ersten primitiven Röntgenapparate in den Ordinationen einiger Ärzte aufgestellt wurden. Der Arzt prüfte seine "Röhre", indem er seine Hand in den Strahl hielt: Zeichneten sich die Knochen auf dem Schirm scharf ab, so arbeitete das Apparatus richtig.

Die Folgen dieser Unkenntnis der Wirkung ionisierender Strahlen waren vielfach verheerend: Geschwüre bildeten sich, die nicht verheilen wollten; einige Ärzte erkrankten sogar an Krebs. Heute stirbt kein Arzt mehr den Strahlentod. In den letzten achtzig Jahren machte die Wissenschaft der Strahlenbiologie große Fortschritte. Neue Methoden wie die Einführung der elektronischen Bildverstärkertechnik und die Verwendung hochempfindlicher Röntgenfilme halfen, die Strahlendosis zu vermindern.

Die Röntgenverordnung aus dem Jahre 1976 schreibt vor, daß nur fachkundige Personen mittels ionisierender Strahlen die Heilkunde ausüben dürfen. Darüber hinaus muß der Röntgenapparat geprüft sein. Das Ziel der Verordnung ist, die Strahlenbelastung der Patienten und des Personals so niedrig wie möglich zu halten.

Die Vorschriften sind streng: Um unnötige Röntgenuntersuchungen zu vermeiden und besonders gefährdete Personen wie beispielsweise Schwangere zu schützen, sollen die Patienten vor jeder Röntgenaufnahme befragt werden: "Wann sind Sie zum letzten Male geröntgt worden?" Auch soll die Untersuchung dokumentiert werden, damit die erhaltene Strahlendosis später rekonstruiert werden kann. Daß von den Röntgenapparaten bei sachgemäßer Aufstellung und Bedienung keine Gefahr für die Umwelt ausgeht, dafür sorgen umfangreiche, fest in das Gerät eingebaute Abschirmungen. Gefahr droht den Patienten möglicherweise eher von Medizinern, die der Pflicht zur Befragung des Patienten und zur Aufzeichnung der Röntgenuntersuchung nicht immer nachkommen.

Oft vergißt der Arzt oder die Assistentin, der die Anfertigung der Aufnahme meist überlassen wird, diese Vorschrift zu beachten. Doch geröntgt wird überall.

Zwar wird die höchstzulässige jährliche Strahlendosis von 0,5 rem (röntgen equivalent man = Maßeinheit für die biologische. Strahlenwirkung) normalerweise hierzulande kaum überschritten.

Doch das ist kein Grund, allzu sorglos mit Röntgenstrahlen umzugehen. Denn das Vertrauen in die Technik, in die Strahlenschutzverordnung und in die Zähigkeit der menschlichen Natur – wie es manche sonst durchaus penible Ärzte besitzen – ersetzt nicht die Befolgung der Vorschriften des § 29 der Röntgenverordnung über die Befragung und Aufzeichnung einer Röntgenuntersuchung. Das Ergebnis der Befragung, die Dokumentation der Umstände und das Ergebnis der eigenen Röntgenuntersuchung sind mindestens zehn Jahre aufzubewahren. Darüber hinaus ist jeder Arzt verpflichtet, diese Unterlagen auf Verlangen einem anderen, den gleichen Patienten behandelnden Arzt zu überlassen.