Das Besondere am Werk Brehms war trotz wissenschaftlich notwendiger Korrekturen während der vergangenen 100 Jahre die Schilderung des Lebens der Tiere auf Grund von Beobachtungen und Berichten. Deshalb nahm Brehm auch unabhängig von anderen geschlossenen Systemdarstellungen und morphologischen oder anatomischen Neuorientierungen über die Zeit seinen eigenen festen Platz in der Tierliteratur ein. Der jetzt vorgelegte –

"Junior Brehm", Säugetiere I; Lentz Verlag, München; 255 S., 24,00 DM

hat nur äußerlich, im Titel, auf das "Tierleben" verzichtet. Hieraus zu schließen, Brehm käme zu kurz, wäre ebenso verfehlt wie die Hoffnung auf reichhaltige Farbillustration, wie sie der Einband anzukündigen scheint.

Nichts dergleichen. Auch dieser Brehm gerät nicht in das Fahrwasser wohlfeiler Photographie; vielmehr wird präzise gezeichnet in dem Bewußtsein, daß diese Art der Abbildung an Genauigkeit nicht zu übertreffen ist. Bedauerlich nur, daß nicht jede Beschreibung von einer Zeichnung begleitet wird.

Hinzuweisen ist auf den bemerkenswert originalen Tonfall des Stils, der vorwiegend der Darstellung von Tiercharaktern eine freundlichhumorvolle Seite abgewinnt.

So erfährt man: "Das Wesen der Nashörner hat wenig Anziehendes. Sie fressen und schlafen; um die übrige Welt kümmern sie sich kaum."

Wesensverwandt der Elch, von dem zu gelten hat: "Hinsichtlich seiner geistigen Fähigkeiten scheint er sein plumpes und dummes Aussehen nicht Lügen zu strafen. Seine Handlungen deuten auf, geringen Verstand ... (Er) betrachtet seine – Umgebung im ganzen teilnahmslos, fügt sich nur schwer in andere Verhältnisse und bekundet überhaupt ein wenig bildsames Wesen."