Von Friedhelm Gröteke

Der Tod und die Neuwahl zweier Päpste hat auch in den vatikanischen Finanzen tiefe Spuren hinterlassen. Die Bruttokosten eines Konklaves liegen bei zwanzig Millionen Mark. Innerhalb von zwei Monaten hat der Heilige Stuhl zweimal diese aufwendige Prozedur organisieren müssen, die von den 3000 vatikanischen Bediensteten besonderen Einsatz verlangt, hohe Aufwendungen und Spesen erfordert – und selbst durch Sonderbriefmarken und Gedenkmünzen nicht ohne Defizit endet. Nach Schätzungen hat der Kirchenstaat insgesamt 25 Millionen Mark aus den Rücklagen decken müssen.

Allerdings: Diese ansehnliche Summe stellt – wiederum nach Schätzungen – nur den achten Teil der Verluste dar, die der Heilige Stuhl durch die Fehlspekulationen seines Vertrauensmannes Michele Sindona in den vergangenen Jahren erlitten hat. Sindona, gegen den immer noch ein Haftbefehl des italienischen Staates vorliegt, beteuert zwar von seinem Exil in den USA aus, er sei durch illegale Machenschaften potenter politischer und persönlicher Feinde hereingelegt worden. Tatsächlich jedoch hatte der waghalsige Sizilianer ohne finanzielles Auffangnetz Holdings gegründet und solange mit Milliardenbeträgen an den Devisen- und Aktienbörsen dieser Welt herumjongliert, bis Fortuna ihn verließ.

Der Vatikan hatte schon mit dem Verschachtelungskünstler Sindona große Geschäfte abgeschlossen, ehe er ihn beauftragte, auch einen Teil des Vermögens zu verwalten und zu mehren. Zunächst ging es dem Heiligen Stuhl darum, das aus den Entschädigungszahlungen für eingezogenes Kirchenvermögen gebildete Kapital zu sichern. In den Lateran-Verträgen von 1929 hatte Mussolini dem Kirchenstaat fünfprozentige italienische Staatstitel für eine Milliarde Lire und 750 Millionen Lire in bar zugebilligt. Das entsprach damals achtzig Millionen Dollar. Die Kurie bildete daraus ein Sondervermögen und schuf dafür eine Sonderverwaltung, die sich seit der Reform durch Papst Paul VI. im Jahre 1967 die "Amministrazione del Patrimonio della Sede Apostolica" (Vermögensverwaltung des Heiligen Stuhls) nennt.

Der Vatikan legte zunächst je ein Drittel in italienischen Aktien, in Immobilien und in Gold und Devisen an. Mit Zinsen, Zinseszins und Dividende müßte sich dieses Vermögen inzwischen auf heute mindestens zwei Milliarden Dollar vermehrt haben.

Was aber tatsächlich daraus geworden ist, wissen nur wenige Eingeweihte im Vatikan. Schwer schätzbar ist auch der Wert der übrigen Immobilien. Immerhin ist bekannt, daß der Vatikan direkt, das Eigentum der römischen Pfarrkirchen und religiösen Orden nicht gerechnet, allein in Rom 5000 Wohnungen verwaltet und daraus mindestens acht Millionen Mark Miete jährlich zieht.

Anders ist es bei den italienischen Aktien und Beteiligungen. Der Vatikan hatte namhafte Anteile an prominenten italienischen Unternehmen wie den Spaghetti-Fabriken Pantanella, der Immobilien-Holding Generale Immobiliare, der Finanzholding Bastogi und den Fabriken für Porzellan und sanitäre Anlagen Ceramica Pozzi erworben. Schon in den sechziger Jahren kritisierte die liberale und linke Presse Grundstücksspekulationen der Generale Immobiliare. Später wurde sogar behauptet, der Heilige. Stuhl sei an einem Arzneimittelunternehmen beteiligt, das die Antibabypille herstelle. Obgleich sich herausstellte, daß lediglich ein dem Vatikan nahestehender Würdenträger ohne Kapitalbindung dem Aufsichtsrat dieser pharmazeutischen Gesellschaft angehörte, bestärkten solche Angriffe Papst Paul VI. noch in dem, Entschluß, das italienische Aktienvermögen der Kirche aus der Schußlinie sozialpolitischer und publizistischer Angriffe zu nehmen.