Köln

Die Kölner mögen zwar zuweilen päpstlicher sein als der Papst – daß sie indessen preußischer seien als die Preußen, wird ihnen so leicht niemand nachsagen können. Dieser in rheinischen Herzen ebenso liebenswürdig wie hartnäckig verwurzelten Eigenart kann nur jemand zu nahetreten, der von auswärts kommt, der – wie es im Kölner Jargon ein bißchen herablassend heißt – ein "Imi" ist.

Daß ausgerechnet Kölns neue Stadtkonservatorin Hiltrud Kier ein solcher "Imi" ist, gab die burschikose Denkmalpflegerin jüngst mit einem die hiesigen Gemüter in Wallung bringenden Vorschlag zu erkennen: Ahnungslos zielte sie auf einen der wundesten Punkte in der Stadtgeschichte und regte in der Rheinmetropole die Wiedererrichtung ausgerechnet jenes Denkmals an, das die Kölner, zusammen mit anderem ungeliebten Plunder der ehemaligen preußischen Besatzungsmacht, im letzten Kriege endlich glücklich losgeworden waren. Nach den glorreichen Vorstellungen der ins 19. Jahrhundert verliebten Restauratorin soll das besonders üppig geratene Reiterstandbild des ersten Okkupationspreußen in den Rheinlanden, Friedrich Wilhelms III. nämlich, auf Kölns Heumarkt alsbald von neuem Aufstellung finden.

Nicht allein die Volksseele steht solchem – für lokales Verständnis befremdenden – Wunsch noch entgegen. Von dem vor hundert Jahren enthüllten Roß-und Reiterdenkmal, das landsmannschaftlich ungebundener und daher gemütloser Sachverstand immerhin als "großartigstes Denkmal der preußischen Herrschaft in den Rheinlanden" zu preisen sich untersteht, sind nur noch kärgliche Reste erhalten.

Das Monument, das in Aufbau und Abmessungen an den aus Berlin nach Potsdam verschleppten "Fridericus Rex" erinnert, umfaßte einst neben dem hoch zu Roß zepterschwingenden König noch sechzehn übermannshohe, gußeiserne "Feldherren" gewissermaßen als ehernen Mantelsaum des Monarchen. Diese Herren hatten Aufstellung rund um den Denkmalssockel genommen, und zwar ihrerseits in einer Höhe, von der aus sie die Kölner Untertanen sozusagen mit den Füßen treten konnten. Was die Stadt Köln bewog, die demontierten Heroen in der Nachkriegszeit wenn auch nur leihweise – unters Volk zu bringen.

Selbst der Schriftsteller Heinrich Böll verleiht – wer hätte es gedacht – mit einem solchen General aus fürstlichem Gefolge seiner Dichterklause einen – freilich ironisch gebrochenen – Glanz. Einen weiteren jener gußeisernen Altvorderen hat, mit unterschiedlichem Vorzeichen, das Heeresamt eingesackt. Ganz neu gegossen werden müßte allerdings der König, das Haupt vons Janze, war er doch in der Stunde Null, als Kartoffeln und Butter mehr galten als Preußens Gloria, von einem pfiffigen Kölner Spediteur verscherbelt worden – bis aufs Pferdehinterteil, das noch immer auf dem städtischen Bauhof ruht.

Sollte es doch wieder zu zweifelhaften Ehren kommen, hätte die Wienerin Hiltrud Kier, die den Kölnern einen ungeliebten Preußen anempfiehlt, zumindest den roten Adlerorden Dritter Klasse verdient. Wahrscheinlich aber werden die Kölner, die sich immer als "Muß-Preußen" fühlten, dem Königsritt über den Heumarkt allerlei Hindernisse in den Weg legen.

Werner Strodthoff