Auch in den USA beginnt sich das Verbraucher-Bewußtsein zu ändern

Von Ulrich Schiller

Washington, im Oktober

Den Zeitdruck im Nacken, übermüdet und erschöpft trotz einiger Nickerchen auf dem Pult oder Schlafpausen im Arbeitszimmer, so standen die Kongreßabgeordneten die Marathonsitzung der 95. Legislaturperiode durch. Ihre letzten 34 Stunden waren die furchtbarsten, und weder Anflüge von Albernheit noch gar Symptome der Trunkenheit, die altgediente Kongreßreporter als Begleiterscheinung Tag und Nacht überschreitender Parlamentssitzungen früherer Zeiten noch in Erinnerung haben, trübten diesmal die Bilanz.

Der Kongreß verabschiedete das Gesetz über Vollbeschäftigung, nach seinen Urhebern Humphrey-Hawkins-Bill genannt, eine mittelstandsorientierte Steuersenkung, Gesetze für Ausbildungshilfen, für den Wohnungsbau, für Fernstraßen, öffentliche Verkehrsmittel, zur Reform des Bankwesens, zur Erhaltung aussterbender Tierarten – und das Energiepaket. Zum erstenmal in ihrer Geschichte haben die Vereinigten Staaten jetzt eine Gesetzgebung, die Öl, Erdgas und Kohle in einer nationalen Energiepolitik unter dem Zwang zum Sparen zusammenfaßt.

Natürlich hat Präsident Carter mit Lob auf den "mutigen", vorher von ihm so oft kritisierten Kongreß nun nicht gegeizt. Die Energiegesetze förderten die nationale Sicherheit, schufen Handlungsfreiheit in der Außenpolitik und schützten das wirtschaftliche Interesse der USA zu Hause wie im Ausland, rühmte der Präsident. Dies, obwohl er Mühe haben dürfte, in dem jetzt auf seinen Schreibtisch zurückgekehrten Paket wiederzuerkennen, was er im April 1977 an den Kongreß abgeschickt hatte. Immerhin ist sein großes Energieprogramm ein Paket geblieben, nachdem der Kongreß zeitweise drauf und dran gewesen war, es in Einzelteile zu zerfleddern. Doch der Inhalt hat sich auf dem Wege durch die Gesetzgebungsmaschine erheblich geändert.

Eine übereilte Aktion