Von Viola Roggenkamp

Kiel

Die Geschichte beginnt mit einem Polizeibeamten, der zu seiner Dienstpistole greift, um als Posträuber einen kleinen Coup zu landen, mickerige 900 Mark erbeutet und vier Tage später hinter Schloß und Riegel sitzt. Für die Umwelt also eine groteske Geschichte. Zunächst jedenfalls. Der gestolperte Polizist aber hat sie von Anfang an als kleine Tragödie erlebt.

Aber auch die Gesellschaft ist angesichts der Fortsetzung mit ihrem Humor bald am Ende. Daß aus dem gestrauchelten Polizeibeamten ein mustergültiger Häftling wird, dem ein Drittel der fünfeinhalb Jahre Freiheitsentzug zur Bewährung ausgesetzt werden kann, hat noch seine Ordnung. Daß aber dieser ehemalige Häftling Jurist werden möchte, geht der Gesellschaft ganz entschieden über die Hutschnur. Wenn es um Resozialisierung geht, versteht sie keinen Spaß mehr. Da versteht sie kaum noch das Wort "Resozialisierung". Eigentlich nur noch – Würde. Ihre Würde.

Was es mit dieser Würde auf sich hat, ist gar nicht so leicht zu definieren. Wer nur für ein Jahr gesessen hat, ist bereits nicht mehr würdig genug, den Wehrdienst zu leisten. Aber zum Jurastudium etwa ist jeder "erheblich Vorbestrafte" eben nur bis zum ersten Staatsexamen zugelassen. Für die Vorbereitungszeit auf das zweite Staatsexamen (die Referendarzeit) ist er bereits "unwürdig im Sinne des Gesetzes". Sozialarbeiter dagegen darf ein "erheblich Vorbestrafter" sein...

Manfred J., heute 32 Jahre alt, ist dieser ehemalige Polizist, der außer Dienst vorm Postschalter "Hände hoch" sagte und damit die ganze peinliche Geschichte von der einen und der anderen Würde ins Rollen gebracht hat. Neun Jahre lang war er erst im Schutzdienst, dann bei der Kripo und dort bereits auf dem Weg zum gehobenen Dienst. Ausgesucht hatte er sich den Beruf nicht. Die Uniform zog er an, weil sein Vater darin etwas Sicheres und Solides für die Zukunft gesehen hatte.