Von Brigitte Schwaiger

Sicher, er gab sich vage engagiert, hätte sich selber fraglos als Linken bezeichnet und schrieb Gedichte, die auf Übereinstimmung mit den Linken aus waren. Aber im Grunde genommen hatte er immer das Gefühl gehabt, im Zimmer zu sitzen, während draußen Dinge geschahen, auf die er keinen Einfluß nahm. Und das Zimmer zu verlassen, dazu raffte er sich ungern auf."

Nicht nur die Trägheit seiner beiden Helden, "Ich" und "Paul Grünzweig", kennzeichnet den neuen Roman von –

Peter Henisch: "Der Mai ist vorbei", Roman; S. Fischer Verlag, Frankfurt, 1978; 254 S., 26,– DM

denn: "Wenn eine Gruppe von Menschen in den gleichen Schritt fällt, läuft es mir kalt über den Buckel, und wenn sie anfängt, im gleichen Rhythmus Parolen zu brüllen, dann bricht mir der Schweiß aus."

Wien, 1978. Peter Henisch, 35, verheiratet und seit vielen Jahren in bürgerlicher Ehe lebend, hat seinen privaten Mai mit "vorbei" abgehakt und sich die Aufgabe gestellt, darüber und über den politischen von 1968 einen Roman zu schreiben. Seine Romanfigur Grünzweig lebt von der Ehefrau getrennt und ist aus Geldnot in die Gewissensnot geraten, einen politischen Aufsatz über das Jahr ’68 in Österreich zu verfassen.

"Die so überraschend schnell in ihre Midlife-Crisis geratenen mehr oder minder Linken seiner Generation" formuliert Grünzweig für den Redakteur Fiedler und "haßt inzwischen, was er da schreiben sollte. Aber Fiedler würde ihn lieben für diesen Satz. Andererseits empfand er das dringende Bedürfnis, etwas zu schreiben, wofür Fiedler ihn nicht lieben würde."