Er war 35 Jahre alt, als er 1970 den Vorstandsvorsitz der größten deutschen Molkerei, der Südmilch AG, übernahm: Wolfgang Weber, Molkereimeister. Der selbstbewußt auftretende Manager sollte das schon damals angeschlagene Unternehmen aus der Krise führen. Seine Sanierungspläne: Sicherung der Rohstoffbasis im größeren Molkereiverbund, neue Fabriken auf der grünen Wiese und ein Produktionsprogramm, das sich auf drei Säulen – Milch, Milchprodukte und Eiskrem – stützt.

Geld für die Verwirklichung der ehrgeizigen Projekte hatte die kapitalschwache Aktiengesellschaft schon damals nicht. Der neuernannte Molkereiboß spekulierte deshalb auf den Verkauf des Stammsitzes in der Stuttgarter Innenstadt. Der Handel aber scheiterte, der Käufer, ein Bauträger, war vorzeitig pleite gegangen.

Weber hielt auch nach diesem Einbruch zunächst an seinen Plänen fest. Um die Bilanzen auszugleichen, griff er die ohnehin magere Substanz des Unternehmens an: Grundstücke wurden verkauft. Ende 1977 drohte dennoch der Kollaps. Weber stieß deshalb übereilt eine der drei Unternehmenssäulen, die Vertriebstochter für Eiskrem, ab.

Inzwischen bröckelt auch der Molkereiverbund, die modernen Produktionsstätten sind nur zum Teil auf gebaut.

Die rund 10 000 Bauern, die sowohl Milchlieferanten als auch Aktionäre der Südmilch sind, kamen Webers Pläne teuer zu stehen: Ihre Aktien bleiben seit Jahren ohne Dividende, für ihre Milch bezahlt ihnen das Unternehmen inzwischen weniger als andere Molkereien in Württemberg. Trotzdem schloß die Südmilch in den letzten Jahren mit Verlust ab.

Rund 130 Millionen Mark, so rechnen Kritiker Weber vor, seien in den letzten Jahren verwirtschaftet worden. In einer internen Studie der Südmilch wurde sogar eine "organisatorische Konzernminderleistung" von fast. 150 Millionen Mark für die Jahre 1973 bis 1978 aufgelistet. Eine deutliche Verbesserung des Milchauszahlungspreises an die Bauern und ein positives Betriebsergebnis bezeichnen die Südmilch-Finanzfachleute selbst als "Wunschdenken" und nicht als "einigermaßen realistisches Ziel".

Acht Jahre unter dem Vorstandsvorsitz von Wolfgang Weber haben der Südmilch zwar einen Umsatzzuwachs von knapp 300 Millionen auf über 560 Millionen Mark gebracht, unter dem Strich aber bleibt den Aktionären und Bauern nichts. Die Reserven sind nahezu aufgebraucht. Das Unternehmen ist heute sanierungsbedürftiger als 1970.