An der Donau ensteht Europas größte Fabrik für amerikanische Frikadellen

Recht armselig begann vor genau sieben Jahren eine Partnerschaft, die nun ein großes Geschäft verspricht: Die zur genossenschaftlichen Unternehmensgruppe Südvieh/Südfleisch gehörige Lutz KG in München erhielt von der damals ganz jungen McDonalds-Tochter den Auftrag, für das erste deutsche Lokal dieser in Amerika bereits recht erfolgreichen Imbißkette am München-Sechziger-Stadion 200 Kilogramm tiefgefrorenes Hackfleisch für "Hamburger" zu liefern.

Dies war, so Südfleisch-Vorstand Klaus Reindl, für seine Gruppe mit seinerzeit schon über 600 Millionen Mark Umsatz ein "Klacks", eine lächerliche Menge. McDonalds hatte vorher fünf bis zehn andere Fleischfabrikanten abgeklappert, doch überall zeigte man den Lokal-Managern, die sich gerade anschickten, auch die Bundesrepublik mit einem Netz von Schlicht-Restaurants für Teenager und Twens zu überziehen, die kalte Schulter. Auch die Südfleisch-Genossen bequemten sich mehr aus "Menschenfreundlichkeit" als aus Geschäftssinn dazu, den Auftrag auszuführen.

Damit aber hatten sie den richtigen Riecher. Heute setzt die Lutz KG mit McDonalds jährlich an die 36 Millionen Mark um, und schon in wenigen Jahren sollen es vier- bis fünfmal soviel sein. Exklusiv für McDonalds baut die Südfleisch-Gruppe in Günzburg an der Donau die größte Hamburger-Fabrik Europas, die vom Frühjahr 1979 an in der Stunde 80 000 Hamburger aus schierem Rindfleisch "ausstanzen" soll. Viertausend bayerische Kühe – die aus geschmacklichen Gründen Bullen vorgezogen werden – müssen dafür im Monat daran glauben. In der Endstufe bis Anfang 1983 ist eine Monatsproduktion von 20 Millionen auf 40 Grad tiefgefrorener Hamburger geplant. Dazu wird man jeweils 12 000 Stück Rindvieh brauchen – im Jahr 144 000 Kühe. Für die bayerischen Bauern ein sicherer Absatzweg.

Zwar haben sich die Südfleisch-Experten schon vor längerer Zeit in Amerika umgeschaut und die "Hackfleisch-Technologie" gründlich studiert. Als man jetzt aber in großem Stil das neue Werk projektierte, folgte man doch dem Rat des Abnehmers und beteiligte die US-Firma Otto & Sons in Chicago, die in den USA allein tausend von den dort 4500 McDonalds-Lokalen beliefert, mit 50 Prozent. Die gemeinsame Firma heißt L & O Lutz und Otto Fleischwarenfabriken GmbH.

Die Münchner sehen im übrigen, falls dieses Joint venture gut funktioniert, eine Chance, auch in Amerika bei dem einen oder anderen Vorhaben zusammenzugehen. Mit einem Gruppenumsatz von voraussichtlich 2,5 Milliarden Mark in diesem Jahr hält sich die Südfleisch für potent genug, ihre Aktivitäten nun auch auf Übersee auszudehnen.

Die Investitionssumme in Günzburg hält sich angesichts des erwarteten Umsatzvolumens mit 9,5 Millionen Mark in bescheidenen Grenzen. Erstaunlich ist, daß es zwischen Lutz und McDonalds nie einen schriftlichen Vertrag gegeben hat, sondern die Zusammenarbeit allein "auf Treu und Glauben" (Reindl) beruht. Dies entsprach der "Viehhändlermentalität" der bayerischen Raiffeisen-Genossen ebenso wie dem hemdsärmeligen Pragmatismus der Amerikaner, Im übrigen werden die Preise hart ausgehandelt, McDonalds-Geschäftsführer Walter Rettenwender: "Die scharfe offene Kalkulation dient beiden Seiten."

McDonalds kann nun seine Expansion ungebremst fortsetzen: Heute gibt es in der Bundesrepublik schon 80 Filialen (von denen 24 von Selbständigen in Lizenz im Franchise-System betrieben werden), weitere zehn sind im Bau, und bis in fünf Jahren sollen es an die 500 sein. Der Umsatz bewegt sich zwischen 100 und 150 Millionen Mark. Sobald die Veterinärgesetze in der EG harmonisiert sind, sollen von Günzburg aus auch die McDonalds-Niederlassungen in den meisten anderen europäischen Ländern beliefert werden (vor allem in England, Holland, Frankreich und der Schweiz). Hermann Bößenecker