Von Hugh Thomas

Die kubanische Revolution feiert in diesem Winter ihren zwanzigsten Geburtstag; denn der altgediente Diktator Batista entfloh am 31. Dezember 1958 aus Havanna, um im Exil seinen sorgfältig vorbereiteten, reichlich ausstaffierten Alterssitz zu beziehen. Wenig später, im Januar 1959, hielt Fidel Castro in der Hauptstadt triumphalen Einzug, umringt von treuen Kampfgefährten, jungen, nötigen Männern. Laster Idealisten, dachte man.

Zwanzig Jahre! All die Männer, denen Castro Paroli bot oder die er hofierte, von Kennedy bis Chruschtschow, von Nixon bis zu Costa Ricas Figureres, sind inzwischen gestorben oder sie leben in Pension. Castro hingegen regiert immer noch als "Präsident und Oberster Befehlshaber", nur 52 Jahre alt und doch, schon ein Caudillo mit zwei Jahrzehnten Berufserfahrung.

In den fünfziger Jahren war Kuba ziemlich in Vergessenheit geraten: ein Land im ökonomischen Mittelfeld, weder ganz arm, noch sehr reich. Sein Vermögen stammte aus der Zuckerindustrie, die seit einem guten Jahrhundert den Welthandel versüßt hatte. Wie kaum anders zu erwarten, verfügte Kuba über die Technologie und Intelligenz, deren es (neben dem vorhandenen Arbeitsfleiß) bedurfte, um seine international begehrte Ernte zu vermarkten. Kubas hervorragende Zigarre steckte gewissermaßen in aller Munde. Zahlreiche Rinderfarmen, viele kleine Bauernhöfe, auf denen Wintergemüse für den US-Export gezüchtet wurde, und einige wertvolle Rohstoffreserven im Osten vermittelten den Eindruck einer vielversprechenden Insel, deren bemerkenswerte Prosperität in nächster Zukunft schon voll erblühen könnte. Die bürgerliche Mittelschicht war – gemessen an anderen lateinamerikanischen Ländern – recht groß, und viele Bürger hatten in den USA studiert.

Die engen Verbindungen mit den USA gründeten in der Geschichte; zum Ende des 19. Jahrhunderts hatte der Nachbar im Norden eine entscheidende Rolle im kubanischen Kampf um die Unabhängigkeit von Spanien gespielt. Irgendwie war es auch folgerichtig, daß der kubanische Lebensstandard zu den höchsten von Lateinamerika zählte.

Ein freundliches Klima, bezaubernde kleine Inseln vor der Küste (in seinem letzten Roman hatte Hemingway sie ganz trefflich beschrieben), ein bestürzend schönes Meer, große Wälder, Städte, in denen sich spanische Kolonialbauten ganz gut gehalten hatten, liebenswürdige und anziehende Menschen, deren entspannte Lebensart Glauben machte, daß sie die Probleme eines Volkes mit verschiedenen Hautfarben gelöst hätten – all dies fügte sich zum Bild vom "Paradies Kuba"...

Ein "Paradies"? Das kann schwerlich stimmen? In der Tat wimmelte es von Schlangen in diesem Garten Eden; und doch sollten seine Reize nicht, wie allgemein üblich, vergessen werden. Davon abgesehen, schlagen fortwährende Schönheiten Kubas noch heute einige Besucher in Bann. Sie bewundern als revolutionäre Errungenschaften, was doch ursprünglich kubanisch ist. So erinnere ich mich an einen Spaziergang im Jahr 1969: Zusammen mit einem berühmten amerikanischen Chefredakteur gingen wir unter prachtvollen Königspalmen auf eine Kaffeefarm zu; der Journalist bewunderte vor allem ein Regime, das es verstand, so "erfolgreiche Palmen" zu pflanzen. Die Bäume standen da schon seit einem guten Jahrhundert.