Der Mann scheint da in ein übles Komplott geraten zu sein. Er sitzt bei seiner Vermieterin auf dem Sofa, über Geld wird gesprochen, über noch ausstehenden Mietzins. Plötzlich stürzt ein offensichtlich wildes tierisches Wesen unter dem Sitzmöbel hervor, fällt den Besucher an und beißt ihn – in den Finger.

Der Mann nimmt den beträchtlichen Schaden nicht einfach so hin. Der Überfall der Bestie, das hat er gleich durchschaut, war ein tückischer Racheakt, und so beauftragt er einen Anwalt, das Geschehnis vor den Richter zu bringen. Auf dreitausendundeine Mark wird der Streitwert veranschlagt, das ist die Mindestgrenze vor einem Landgericht. Schließlich hat der arme Mieter, wie er sagt, von dem Coup auf der Couch negative Folgen für seine berufliche Entwicklung zu befürchten. Er sagt, er sei Journalist, und der offensichtlich zerfleischte Finger hat jetzt wohl Schwierigkeiten im Umgang mit Bleistift und Mikrophon.

Drei hannoversche Rechtsanwälte ringen um diesen Fall: der Vertreter des Klägers und die von den beiden Beklagten engagierten Anwälte Josef Augstein und Rötger Groß, Niedersachsens früherer Innenminister. Der Hergang der bösen Tat ist offiziell noch ungeklärt, für das Opfer jedoch sonnenklar.

Da saß er also bei seiner Vermieterin. Deren Freundin war zu Gast, und deren Kinder wiederum hatten drei Tiere mitgebracht, die sich im Zimmer tummelten. Eines davon war die bißwütige Bestie, die den um den Mietzins feilschenden Besucher blutdürstig ansprang: ein Meerschweinchen. Der Anwalt des Gebissenen weist auf die unberechenbare Gefahr hin, die latent in der Psyche eines Tieres lauere. Sein Mandant hat das Meerschweinchen als wahres Monster beschrieben, überzeugt davon, daß es Rachegefühle gegen ihn gehegt habe, weil er mit der Mietzahlung ins Stocken gekommen sei.

Die Verteidiger widersprechen der Theorie des Opfers. Der Sohn des Anwalts Groß hat mit dem Großen Brehm die Wildheitsthese ins Fabelreich verwiesen. Er glaubt – und Vater Groß macht sich diese Auffassung in... seinem umfänglichen Schriftsatz zu eigen nicht m. die besucherfeindliche, feministische, geldschneiderisehe Motivation des Knabbertiers.

Sachverständige sollen nun gerufen werden, Psychologen, Zoologen, ein Dompteur vermutlich, Vielleicht werden die Richter Wahrheit und Recht gar noch auf einem Lokaltermin suchen. Die unterliegende Partei dürfte für den Prozeß um das hannoversche Untier einen guten Tausender aufzuwenden haben. Die Mietschuld bleibt bestehen.

Den Richtern tun sich Abgründe auf; Meerschweinchens Tat als kapitalistische Böswilligkeit, einfach perfide.