Von Rainer Frenkel

Der Außenseiter, der es sich schon seit Monaten zur Pflicht macht, europäischen Unternehmen den Wettbewerb untereinander auszureden, hat ein neues Betätigungsfeld gefunden: die Autoindustrie. Etienne Graf Davignon, für die Handelspolitik zuständiger Kommissar der Europäischen Gemeinschaft (EG), hat vor ein paar Tagen die Autokonzerne aufgefordert zusammenzurücken.

Der für alle martialischen Maßnahmen stets wohlfeile Grund: die gelbe Gefahr. Nicht anders sei, so der belgische Graf, den japanischen Autoimporteuren beizukommen als mit Hilfe weitreichender Zusammenarbeit. Und um die Einwohner der Trutzburg Europa noch verteidigungswilliger zu machen, schildert er, daß die Gefahr beileibe nicht nur von den Gelben drohe, sondern auch von den Roten aus Osteuropa; ja sogar von jenseits des Atlantik, wo die Amerikaner zur Offensive rüsten.

Nun hat der Graf wohl übersehen, daß es auf diesem Felde in Europa nicht mehr viel zu konzentrieren gibt. Da gibt es ohnehin nur mehr eine Handvoll großer Konzerne, obendrein noch zum Teil im Staatsbesitz. Und für den einzigen, der einer Anlehnung dringend bedürfte – British Leyland –, wird sich wohl kaum ein Partner finden, der bereit wäre, die Probleme auf sich zu nehmen, die sich der britische Staat als Eigentümer selbst aufgeladen hat.

Was aber die Bedrohung angeht, so hat Davignon durchaus recht. Ohnehin hatte man den Japanern, die bisher (siehe Tabelle) Europaerfolge vor allem dort vorzuweisen haben, wo keine nationale Autoproduktion existiert, weitere expansionistische Gelüste unterstellt. Nun aber, da US-Präsident Jimmy Carter mit Hilfe von Energiespargesetzen "seine" Autoindustrie zur Produktion von kleineren Vehikeln zwingt, wird aus der japanischen Lust an Europa sogar eine Not: Je mehr Kleinwagen die Amerikaner selbst herstellen, je teurer auch der Yen im Umtausch gegen den Dollar wird, um so schwerer wird es für die Lieferanten aus Fernost, ihre Gefährte in den Vereinigten Staaten loszuwerden.

Für ihre immer größer werdenden Kapazitäten aber allein 1978 werden sie um über zehn Prozent auf ein Volumen von rund 9,5 Millionen Fahrzeugen ausgebaut (Bundesrepublik: gut 4 Millionen) – brauchen sie dringend neue Absatzmärkte.

Diesen Zusammenhang belegen schon einige wenige Daten: