Hervorragend

Genya Ravan: "Urban Desire." Wer behauptet da, man könne jenseits der Dreißiger nicht mehr ein Rock & Roller sein? Genya Ravan jedenfalls, die legendäre Sängerin von Ten Wheel Drive, hat mit 37 Jahren soviel Sex und Seele in der Stimme wie ein Muddy Waters mit 63, und sie singt ihre Hard Rock-Hymnen über Wollust und sexuelle Frustration auf diesem sensationellen Platten-Comeback vitaler und überzeugender als Dutzende jener New Wave-Poseure, deren Mutter sie sein könnte. Ihr Interpretationsstil (es ist eigentlich kein "Stil", mehr eine unkontrollierte Naturgewalt) hat nichts mit den anzüglichen Manierismen von Tina Turner, dafür aber vieles mit der Laszivität von Millie Jacksons Soul-Gesängen zu tun. Auf "Urban Desire" wird sie unter anderem von einem gewissen Charlie Giordano am Klavier begleitet, dessen Spiel den Vergleich mit Chuck Berrys erstem Pianisten Johnny Johnson nicht zu scheuen braucht. (20th Century Fox Records 6370 274) Franz Schüler

Hörenswert

Prager Marionetten-Theater: "Hurvineks Schneemann". Der aufgeblasene König, der sich von seinen lobhudelnden Hofschranzen hat einreden lassen, daß er ungeheuer bedeutend sei, will den kleinen Hurvinek, den Herrn Spejbl und die Mánička kurzerhand köpfen lassen. Das Schlitzohr Hurvinek rettet durch einen simplen Trick die Situation und wird zwischendurch sogar zum Hofzauberer ernannt. Milos Kirschner, dieser erzkomödiantische, durch das Figurenpaar Spejbl und Hurvinek bei uns wohlbekannte Puppenspieler aus Prag, liefert hier in gleichzeitig sechs Rollen Artistik und Witz. Das Märchen vom dummen König entlarvt Schmeichler und Kriecher, amüsiert mit eingestreuten frechen Kinder-Songs und ist in seiner leichten, spielerischen Darbietung ein volles Vergnügen. (Ebenso wie die für Erwachsene gemachte neue Schallplatte "Herrn Spejbls herzliche Metaferosen" zu beziehen durch die Theater-Direktion Peter Heister, Binderstraße 15,2000 Hamburg 13.)

Ute Blaich

Übermütig

Jean Lac Ponty: "Cosmic Messenger". Das flitzt die Oktaven rauf und runter, das wimmert und wabert in Glissandi und schlägt unglaublich übermütig Kapriolen – wohl weil es das "Kosmische" darstellen soll, das der französische Jazz-Geiger Jean Luc Ponty hier mit der gewohnten Leidenschaft zu erzeugen hofft Er bleibt dabei mit seinem aufgeregten Instrument trotzdem auffallend weit im Hintergrund: Die Band rockt und rackert sich etwas schwerfällig ab und nimmt dem Geiger manches vom Glanz seiner elektrischen Klangshow. Und es hat den Anschein, als vertusche die hektische Virtuosität des Geigenspiels die eher psychedelische als musikalische Substanz dieser Vorstellung. (WEA ATL 50 505) Manfred Sack