Nach der Befreiung beginnt ein Mensch, der Geisel war, das Leben neu – als Mensch.

Auch für die Umwelt beginnt ein Mensch, der Geisel war, nach der Befreiung ein neues Leben – als Geisel.

So verkauft das Kärntner Fremdenverkehr samt eine Einladung für die befreiten Passagiere der "Landshut" – vor einem Jahr wohl in einem Augenblick des Aufatmens ausgesprochen – heute in einer Werbeschrift unter dem Titel: "Goldener Herbst für Mogadischu-Geiseln in Kärnten hat begonnen."

Textauszug: "Das beständige warme Herbstklima inmitten südlicher Ahnen, gepaart mit gemeinsamen Wanderungen durch rauschende und gemütliche Klammen, sind nach Ansicht des ebenfalls eingeladenen Verantwortlichen für die therapeutische Behandlung... gerade richtig, um die nervliche Anspannung vergessen zu machen."

Wie gut die Kärntner Nachsaison gerade bei der Geisel-Nachsorge tut, wie leicht bei einem "großzügigen Gratisaufenthalt mit Vollpension" erlebte Alpträume sich lösen, sagt uns das Fremdenverkehrsamt auch: "Der herzliche Empfang der Passagiere durch die Kärntner Tourismusvertreter ließ bei vielen die Tränen fließen. Das Gefühl, nicht im Stich gelassen zu werden, vergoldete ihren ‚Urlaub bei Freunden‘."

Natürlich freuen wir uns mit den "Freunden", wenn den "Geiseln", wie wir erfahren, "eine original Kärntner Bretteljause vom Landesfremdenverkehrsdirektor Dr. Ingo Zlamal kredenzt wird", und dies auch noch "unter den Klängen der Kotschach-Mauthener Volksmusik".

Bei diesem süßlich-selbstgefälligen Blastrara verstimmt doch nur, daß da der Mensch, der Geisel war, erneut zum Opfer wird.