Seit Georg Leber nicht mehr Verteidigungsminister ist; knistern Spannungen in der störempfindlichen Bündnis-Verbindung zwischen Bonn und Brüssel. Hans Apel, der Nachfolger, ist in mancher Hinsicht mehr deutscher Verteidigungsminister in und gegenüber der Nato als Repräsentant der Allianz im Bundeskabinett. Seine Kritik am Geschäftsführungsstil des Nato-Generalsekretärs Luns ist ein Zeichen dafür. Es gab Differenzen, sie konnten jedoch in dieser Woche im Gespräch zwischen. Luns und dem Bundeskanzler beigelegt werden.

Auch eine Beratung Apels mit der Bundeswehrführung und den beiden ranghöchsten deutschen Generälen in der Nato-Hierarchie über den Umfang der schon vorgeplanten künftigen Allianz-Manöver hat manches geklärt. Jedenfalls bleibt es vorläufig bei der alliierten Planung – uneingeschränkt. Ob die Bonner Manöver-Vorbehalte wegen der Belastung der Bundesrepublik, ihrer Straßen, ihrer Landwirtschaft und ihrer Ostpolitik durch so massive Truppenkonzentrationen wie während der Herbstmanöver 1978 damit wirklich aufgehoben sind, ist eine andere Frage.

Der kapitale Punkt ist der Hinweis der Nato-Militärs auf die Verpflichtungen gegenüber der Allianz, besonders auf den Artikel 45 des Truppenstatuts über das Recht der Stationierungsmächte, ihre Streitkräfte im Bundesgebiet nach den vom Nato-Oberbefehlshaber gezogenen Richtlinien zu verstärken, zu bewegen und üben zu lassen. Bonn ist hier nicht souverän. Die Anerkennung der außenpolitischen Notwendigkeiten, insbesondere eines guten Verhältnisses zu Amerika, kommt hinzu. Der Bundeskanzler hatte dies schon im September erklärt. Diese Bestätigung sollte nicht alle vier Wochen wiederholt werden müssen. L. R.