Auch In Deutschlands Mitte zwischen Teutoburger-, Bayerischem und Schwarzwald war in diesem Sommer der Himmel verhangen. Für langjährige Stammgäste war dies freilich kein Grund zur Untreue.

Als "wetterunabhängig" stuft Willy Kesper, Verbandsdirektor vom Teutoburger Wald, seine Gästeschar ein, in der zur Hauptsaison die Senioren dominieren. Diese hätten auch starken Anteil daran, daß es auf dem Weg der Privatkur mit den Heilbädern wieder langsam bergauf geht.

Dr. Meier to Bernd vom Landesverkehrsverband Westfalen bestätigt diese Entwicklung. Verluste werde es nicht geben. Dazu hätten vor allem die guten touristischen Angebote des Sauerlandes’ beigetragen. Eine Erfahrung aus dem Münsterland, daß Ideen-und kleine Mühen sich lohnen: Die offerierten Fahrradtouren ebenso die Planwagenfahrten waren stets rasch ausgebucht.

In Hessen, so kalkuliert Hannsgünter Hannwacker des Landesverkehrsverbandes, wird 1978 im Endstand sogar ein leichter Zuwachs zu vermelden sein, Wetter und Fußball-WM waren nur vorübergebend Anlaß für kleinere Einbußen.

Wie sich die Urlauber – mitunter doch noch unerforschte Wesen – in den langen Regenwochen bei Laune gehalten haben, läßt sich nur mutmaßen. Die wetterunabhängigen Freizeitangebote, so hat die Erfahrung gezeigt, wurden natürlich gut genutzt. Doch wie viele von – beispielsweise viertausend Gästen eines Fremdenverkehrsortes – sind denn dann wirklich im Hallenbad, der Tennishalle, im Lesezimmer, beim Keramikkurs anzutreffen? Gerade zehn bis zwanzig Prozent der Gäste. Was aber machen die anderen? "Sie liegen im Bett, genießen das hemmungslose Faulsein." Das ist jedenfalls die Erklärung von Herbert Meyer, Geschäftsführer des Fremdenverkehrsverbandes Ostbayern, dafür, daß "trotz des kriminellen Wetters die Gäste nicht rebellisch geworden sind".

Der Geschäftsführer wird das Jahr 1978 vermutlich mit einem immerhin fünfprozentigen Plus abschließen können. Zuwachsraten erzielten vor allem der Bayerische Wald und das expandierende "Bäder-Dreieek" um Füssing.

Belegt wie die ostbayerischen Betten waren anscheinend in Baden-Württemberg die Restaurantsessel. Es blieben ja zwischen Oden- und Hotzenwald diesen Sommer, wie anderenorts auch, die Spontanurlauber und Tagesgäste aus, die besonders gute Café- und Restaurantbesucher sind. Dennoch war von Seiten der Gastronomen kein dramatisches Wehgeschrei zu hören. Das veranlaßt Volker Gömann, Geschäftsführer des badenwürttembergischen Landesfremdenverkehrsverbandes, zu der Schlußfolgerung, daß es wohl keinen Anlaß zum Klagen gäbe. Und er spekuliert, daß sich wohl die Dauergäste – häufiger als üblich – essender- und trinkenderweise die verregneten Tage verschönt haben. Eine Beschäftigung, die ja gerade in Baden-Württemberg lohnend sein kann.