Klöckner bat sich für seine Problem-Tochter eine ungewöhnliche Konstruktion ausgedacht

Manfred Feindler, neuer Chef der Klöckner-Tochter Eisenwerkgesellschaft Maximilianhütte mbH im oberpfälzischen Sulzbach-Rosenberg, sieht darin die "eleganteste Lösung", für einen hohen bayerischen Ministerialbeamten ist es dagegen eher "ein häßlicher Krampf" und zudem ordnungspolitisch das letzte.

Was derart unterschiedlich beurteilt wird, ist eine auf Anhieb verblüffende Konstruktion, die sich Klöckner-Vorstandsvorsitzender Herbert Gienow zusammen mit seinen Experten ausgedacht hat, um die Probleme der Maxhütte zu beheben. Helfen soll dabei der in solchen Fällen meist recht generöse bayerische Staat. Die nordbayerische Stahlküche war Anfang 1977 zunächst zu 51 Prozent aus angestammtem Flick-Besitz an die Klöckner-Werke übergegangen. Sie zahlten für die erste Hälfte 135 Millionen Mark, und noch einmal der gleiche Betrag wird – offenbar in mehreren Tranchen – fällig, wenn die Hütte zur Jahreswende ganz zu Klöckner abwandert.

Da Gienow und seine Mannen gegenwärtig mit der Krise ihres Stammunternehmens schwer genug zu kämpfen haben, versäumten sie nicht, in München rechtzeitig um finanzielle Hilfe nachzusuchen, unter dem Stichwort: Erhaltung der noch verbliebenen rund 6000 Arbeitsplätze.

Zwar hat die Maxhütte in den letzten fünf Jahren vor allem in den Umbau des Stahlwerkes und die Erschließung der neuen Erzgrube Leonie bereits 250 Milliarden Mark investiert. Aber um noch vorhandene Strukturschwächen zu beseitigen und vor allem das Produktionsprogramm im Warmwalzwerk Haidhof systematisch auf höherwertige Formstähle umstellen zu können, müssen in den nächsten drei bis fünf Jahren zusätzlich zu den normalen Anschaffungen weitere 150 Millionen Mark in die Anlagen gesteckt werden. Dazu aber fehlt das Geld, argumentieren die neuen Besitzer, und die Aufnahme neuen Fremdkapitals würde die Bilanz nicht vertragen.

Als Ausweg haben Gienow und Feindler nun eine seltsame Art von Geldschöpfung vorgeschlagen, gleichsam eine Kapitalisierung der mit Null zu Buch stehenden, für dreißig Jahre ausreichenden Erzvorräte der Grube Leonie, die in der Bilanz nur mit ihren Aufschlußinvestitionen von knapp fünfzig Millionen Mark bewertet ist. Die Grube Leonie soll nämlich in eine eigene Gesellschaft mit etwa sechzigprozentiger Staatsbeteiligung eingebracht werden. Die neue Gesellschaft würde zunächst Kredite von etwa 200 Millionen Mark – natürlich geht das nur mit Hilfe einer Staatsbürgschaft – aufnehmen und damit der Maxhütte die lukrative Grube abkaufen. Die Maxhütte hatte dann genug Mittel für ihre "Vorwärtsstrategie" im Profilstahlbereich. Feindler beugt vor: "Dabei handelt es sich keinesfalls um eine Sanierung."

Zunächst war dieses "Denkmodell" anscheinend in München recht gut angekommen. Jetzt beurteilt man es viel distanzierter. Vor allem Wirtschaftsminister Anton Jaumann hatte darin wohl eine probate Möglichkeit gesehen, stille Reserven steuerunschädlich aufzulösen. Bedenken kamen zuerst im Finanzministerium auf, und Finanzminister Max Streibl versäumte nicht, kürzlich darauf hinzuweisen, daß man zwar der Maxhütte, keineswegs aber Klöckner helfen wolle: Da müsse notfalls schon der Bund einspringen.