"Familienkonferenz in der Praxis", von Thomas Gordon. Die weltweite Gordon-Gemeinde ist mittlerweile ziemlich groß. Allein in der Bundesrepublik wurden seit 1972 gut 200 000 Exemplare der "Familienkonferenz" verkauft; die "Lehrer-Schüler-Konferenz" (1977) ging bislang etwa 60 000mal über die Buchhändlertische. Jetzt liegt die neueste Erziehungshilfe des amerikanischen Psychologen vor, ihr Untertitel heißt: "Wie Konflikte mit Kindern gelöst werden". Thomas Gordon erläutert darin nochmals all die Grundsätze und Psycho-Techniken, die bereits in den beiden vorhergehenden Bestsellern anschaulich vorgestellt wurden. Man findet bei ihm erneut Anwendungsbeispiele für die Gesprächstherapie, die sich auf eine zuversichtlich gestimmte Individualpsychologie stützt und von Carl R. Rogers in den vergangenen Jahrzehnten wesentlich entwickelt wurde. Außerdem bringt die Neuerscheinung zahlreiche Stellungnahmen von Eltern, die inzwischen praktische Erfahrungen mit der "Familienkonferenz" gemacht haben. Gordon kommentiert oder korrigiert jeweils die Aussagen und fordert seine Leser zu mehr Gelassenheit auf. Geduld braucht man freilich auch, wenn man mit allzu gläubigen Gordon-Fans diskutiert. Angesteckt vom frischfröhlichen Optimismus ihres Lehrers, der neuerdings seine "niederlagelose Methode gar zur Konfliktbewältigung bei Säuglingen und Supermächten empfiehlt, sehen sie nicht, die begrenzte Brauchbarkeit der Gesprächspsychotherapie; diese psychologische Schönwetter-Methode kann zwar kurzfristig Hilfe verschaffen, jedoch keine grundlegenden Veränderungen, weil sie geschichtliche und gesellschaftliche Einflüsse vernachlässigt. Wer schon das erste oder das zweite Buch Gordons gelesen hat, kann sich nun die Lektüre sparen – und in der so gewonnenen Zeit mit seinen Kindern spielen. (Verlag Hofmann & Campe, Hamburg, 1978; 317 S.; 24,–DM.) Werner Hornung