Bremen: "Gruppe ZEBRA"

Lebt sie noch, oder hat sie nur überlebt? Die Künstlergruppe mit dem gestreiften Wappentier, 1965 in Hamburg im Zeichen eines "Neuen Realismus" gegründet, diese "Gruppe ZEBRA" hat nicht nur eine ungewöhnliche Lebensdauer, sie hat nicht nur die modische Realismuswelle überlebt, sie hat sich sogar regeneriert und neu formiert. Als erstes Museum in der Bundesrepublik zeigt die Bremer Kunsthalle die "Gruppe ZEBRA" in veränderter Besetzung. Von den vier Gründungsmitgliedern, den Malern Dieter Asmus, Peter Nagel, Dietmar Ullrich und Nikolaus Störtenbecker, ist der letztere ausgeschieden, aus künstlerischen und persönlichen Gründen. Hinzugekommen sind drei Bildhauer aus Berlin: Harro Jacob, Christa und Karlheinz Biederbick, Erstaunlich, wie sich hier offenbar schon seit Jahren in verschiedenen künstlerischen Medien eine Übereinstimmung entwickelt hat, weniger inhaltlich als konzeptionell. Die lebensgroßen Polyesterfiguren der neuen ZEBRA-Bildhauer – Badende, Arbeiter, Akte – stehen ebenso isoliert im Raum, wie bei den alten ZEBRA-Malern die Figuren exponiert vor der Fläche stehen: Die kunststoffglatte Plastizität der gemalten Figuren und die farbige Oberflächenbehandlung der Kunststoffplastiken, die Fixierung photographischer Bewegungsmomente, die Betonung exemplarischer Haltungen statt individueller Gesten: Das sind weitere Gemeinsamkeiten dieser im einzelnen sehr wohl unterscheidbaren Künstlergruppe. So wenig wie die ZEBRA-Maler photorealistisch nach Art der Amerikaner vorgehen, so wenig haben die zunächst in Gips modellierten Figuren der ZEBRA-Bildhauer mit den Trompe I’œil-Abgüssen von John de Andrea oder Duane Hanson zu tun. Es sind realistische Gegenentwürfe zur Realität, Prototypen des Alltags. Diese im übrigen auch höchst vergnügliche Ausstellung geht weiter nach Rom, Leverkusen, Hamburg, Berlin und Darmstadt. (Kunsthalle, bis 26. 11., Katalog 12 Mark)

Peter Sager

Nürnberg: "Erwin Worteikamp"

"Vielleicht ein Blatt" ist der gemeinsame Titel einer Gruppe seiner Plastiken, eine andere heißt "Vielleicht ein Baum" – die ersten Arbeiten sind entstanden, als der Künstler noch in der Stadt, in einem Hochhaus wohnte. Worteikamp hat die Naturferne als Defizit empfunden, er ist inzwischen umgezogen in den Westerwald. Der unmittelbare Kontakt mit der Natur bedeutet für ihn nicht nur den Rückzug aus dem politisch-gesellschaftlichen Raum: "In der Natur leben zu wollen, ist eine hochpolitische Antwort und eine Arbeit, die dies ausdrückt, ist entsprechend hochgradig politisch." Das heißt, sie wird es, sobald sie, aufgestellt in einer ihr fremden Umgebung, zwischen Hochhäusern etwa, eine alternative Vorstellung sichtbar macht: organischvegetativ" (so ist auch eine weitere Gruppe überschrieben) und nicht konstruktiv, schematisch, unlebendig. Worteikamps großformatige Plastiken sind ein – vielleicht utopisches, sicher nicht nostalgisches – Gegenmodell zur Unwirtlichkeit der Städte. In doppelter Weise irritierend, als Abbilder einer Natur im Einklang mit sich selbst und durch die zunächst paradox erscheinende Tatsache, daß die verletzlichen lebendigen Formen aus Eisen hergestellt sind – Eisen aber rostet, und so sind die Plastiken auch wieder dem natürlichen Prozeß des Alterns unterworfen. (Kunsthalle, bis zum 5. November, Katalog 15 Mark) Helmut Schneider

Wichtige Ausstellungen

Berlin: "Tendenzen in der jugoslawischen Kunst von heute" (Museum Dahlem, Sonderausstellungshalle bis 5. November, Katalog 10 Mark)