Wunder dauern etwas länger im Nahen Osten. Voreilige Futurologen hatten, vom Schwung der Verhandlungen in Washington ermuntert, bereits den 2. November als Tag der Unterzeichnung des israelisch-ägyptischen Friedensvertrages im Kalender angekreuzt – das Datum, an dem sich die Staaten der "Verweigerungsfront" in der irakischen Hauptstadt Bagdad gegen Kairo verschwören wollen. Dann wieder, nach einigen Verhandlungsverzögerungen, war vom 7. November die Rede – dem Tag der amerikanischen Zwischen wählen. In dem einen Fall, so die Wahrsager, sollte Sadat, in dem anderen Carter der Rücken gestärkt werden.

Nun sieht wieder alles ganz anders aus, realistischer. Wenn Ägypter wie Israelis in der zweiten Washingtoner Runde ihre Änderungswünsche aufeinander abstimmen können, dann ist das dritte anvisierte Datum gebucht – der 19. November. Auch dieser Tag hätte seine historische Bedeutung: Vor einem Jahr hatte Sadat mit seiner Jerusalemer Mission den Weg freigemacht, der nach Camp David und Washington führte.

Freilich, die Kleinigkeiten, um die noch gerangelt und gefeilscht wird, sind keine Kleinlichkeiten: Sadat braucht die unzweideutige Verbindung seines Vertrages mit einer künftigen Vereinbarung über Westjordanien und die Lösung des Palästinenser-Problems. Begin benötigt die bindende Zusage für eine automatische Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit Kairo und für amerikanische Zahlungen in Milliardenhöhe.

Zu allem Überfluß taucht am nahöstlichen Horizont schon wieder ein altbekannter, drohender Schatten auf: die Sowjetunion. Die überraschende Annäherung der beiden Erzrivalen Syrien und Irak ist ihr Verdienst. Sie kann den ausgetüftelten Friedensfahrplan noch durcheinanderbringen. D. St.