Die mehrtägigen rhodesischen Angriffe auf Guerilla-Lager der Patriotischen Front in Sambia und Moçambique lassen fürchten, daß Salisbury die militärische Entscheidungsschlacht sucht.

Wie zu erwarten, haben die Guerilla-Führer Nkomo und Mugabe hart reagiert. Für sie steht eine Allparteienkonferenz nicht mehr zur Diskussion. Vielleicht hatte der weiße Premier Smith dies einkalkuliert. Denn kurz nachdem er sich unverhofft für eine solche Konferenz ohne Vorbedingungen ausgesprochen hatte, kam der Befehl zum Angriff.

Beides geschah zum Ende des umstrittenen Smith-Besuchs auf amerikanischem Boden. Damit brachte der ungebetene Gast zugleich seine anglo-amerikanischen Gesprächspartner nicht nur bei den Guerrilleros, sondern auch bei den afrikanischen Frontstaaten in den Ruch der Komplizenschaft. Ihr Friedensplan, für den kurzfristig wieder Chancen bestanden, ist damit abermals zu den Akten gelegt worden. Nkomo: "Die Allparteienkonferenz findet jetzt auf dem Schlachtfeld statt." Denn nicht seine Truppen seien das wahre Angriffsziel gewesen, sondern wehrlose Frauen und Kinder, behauptet er. In Sambia leben etwa 40 000 schwarzrhodesische Flüchtlinge.

Rhodesische Angriffe auf mocambiquanisches Gebiet sind in der Vergangenheit immer wieder vorgekommen. Aktionen gegen vermutete Guerilla-Basen in Sambia, die bis in unmittelbare Nähe der Hauptstadt Lusaka führten, hat es dagegen noch nie gegeben. Der Umfang der Operationen, bei denen 1000 bis 1500 Menschen ums Leben kamen (die Rhodesier verloren einen Mann), läßt darauf schließen, daß die weißen Rhodesier immer mehr auf eine militärische Lösung an Stelle einer diplomatischen Entscheidung zielen.

Offensichtlich sollte den rund 10 000 Nkomo-Guerillas ein Schlag versetzt werden, der ihre Pläne für eine Großoffensive während der bevorstehenden Regenzeit zunichte macht. Deshalb wird auch mit einem ähnlichen Vorgehen gegen die etwa 15 000 ZANU-Guerillas des Robert Mugabe gerechnet, die in Mocambique stationiert sind. Weitere 8000 operieren bereits in Rhodesien.

Sambia war auch deshalb bisher von Angriffen verschont geblieben, weil noch immer die Hoffnung bestand, Joshua Nkomo aus der gemeinsamen Front mit Mugabe herauszubrechen. Nkomo hatte nämlich nicht nur mit westlichen Diplomaten, sondern auch mit Smith im Geheimen verhandelt. Zum anderen wußte Salisburys Geheimdienst, daß Sambia in Kürze die Wirtschaftsblockade gegen Rhodesien aufheben und die Bahnverbindung nach Südafrika wieder eröffnen würde, um seine eigene Wirtschaft zu retten. Präsident Kaunda sollte keinen Anlaß zum Sinneswandel bekommen.

Dennoch wird auch in rhodesischen militärischen Kreisen jetzt die Frage diskutiert, ob sich kurzfristige militärische Erfolge auf Kosten langfristiger diplomatischer Mißerfolge auszahlen. Denn eines steht fest: Nach den jüngsten Angriffen hat sich auch die Haltung der Frontstaaten weiter verhärtet. Vy