Nach einem geradezu sensationellen Kursverfall der amerikanischen Aktien setzten in dieser Woche auch die deutschen Papiere zum Tiefflug an. Von Kursverlusten waren besonders jene Papiere betroffen, in denen vorher kräftig spekuliert worden war. Dazu zählen auch die Aktien von Klöckner-Humboldt-Deutz (KHD). Sie waren im Zusammenhang mit Gerüchten heraufgesetzt worden, in denen von einem angeblichen Interesse des Volkswagenwerks an dem Unternehmen die Rede war. Dies ist inzwischen sowohl vom VW-Vorstand als auch von Klöckner-Chef Henle dementiert worden.

Solange sich das auf der Suche nach Diversifizierungsmöglichkeiten befindliche Volkswagenwerk nicht für ein bestimmtes Objekt endgültig entschieden hat, ist der Börsenphantasie breiter Raum gegeben. Daß er genutzt wird, zeigt die Zahl der vorgeblichen "Übernahmekandidaten". Im Gespräch war anfangs die Gutehoffnungshütte, dann geriet die AEG ins Gespräch, später tauchte in diesem Zusammenhang die Deutsche Babcock AG auf, wo angeblich die Iran-Beteiligung zur Disposition stehen soll. Und nun war eben KHD an der Reihe.

Die VW-Aktien selbst konnten sich bisher auch in der begonnenen Schwächephase relativ gut behaupten. Analytisch gesehen besteht wohl auch kein Grund, sich jetzt schon von den VW-Aktien zu trennen, die weiterhin zu den preiswertesten deutschen Papieren zu rechnen sind. Überhaupt mahnen die Banken zur Besonnenheit. Übereinstimmend sind sie der Ansicht, daß der jetzt eingetretene Rückschlag noch nicht das "letzte Wort" darstellt. Dafür wird schon der sich verstärkende konjunkturelle Aufschwung sorgen. Zunächst müsse aber, so heißt es, der Schock der Mindestreservenerhöhung überwunden werden.

Tatsächlich haben nach der am Wochenbeginn eingetretenen Kursabschwächung jene Investoren wieder mit dem Erwerb deutscher Aktien begonnen, die sich in den Vorwochen von ihnen zu steigenden Notierungen gelöst hatten. Das deutet auf ein Sicherheitsnetz hin, das einen allzu tiefen Fall der Kurse verhindern dürfte;

Unübersichtlich ist die Lage am Rentenmarkt. Die Mindestreservenheraufsetzung war für ihn eine böse Überraschung. Nicht wenige Kreditinstitute hatten geglaubt, die Bundesbank würde auf einen solchen Schritt verzichten, wenn sie nur genügend "Mobilisierungstitel" der Bundesbank zeichnen würden. Nur so wird der hohe Zeichnungsbetrag von drei Milliarden Mark erklärbar. Die Übernahme dieser Titel plus höhere Mindestreserven scheint bei einigen Instituten Beklemmungen hervorgerufen zu haben, die durch Rentenverkäufe gelöst werden sollen. K. W.