Von Ingo Heimfeld

Der Autor dieses Artikels ist Stellenvermittler und Berater in der Auslandsabteilung der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) in Frankfurt.

Der Arzt Dr. Steinmetz ist als Integrierte Fachkraft (siehe Kasten) nach Kitwe in Sambia vermittelt worden. Dort arbeitet er in einem Krankenhaus des staatlichen Gesundheitsdienstes. Während seines Heimaturlaubs berichtet er mir bei einem Besuch in meiner Dienststelle, daß er in dem Krankenhaus voll integriert sei und ihm die Tätigkeit viel Freude bereitet. Sein Chef ist Sambianer, er arbeitet in der Chirurgie. Schwierig sei die Situation in der Ambulanzstation, wo Hunderte von Patienten täglich von nur vier bis fünf Ärzten behandelt werden müßten.

Ich spreche das Thema Freizeitgestaltung an. "Die Landschaft ist unberührt und wunderschön", antwortet Dr. Steinmetz; "in den Naturparks gibt es kleinere Rasthäuser, die von einem Klub unterhalten werden. Außerdem werden in Hotels Veranstaltungen durchgeführt, am Ort ist ein kleines Theater." Dr. Steinmetz – er ist ledig – hat zusammen mit einem Inder und einem Engländer ein Haus gemietet. Schattenseite des Lebens dort sei die Kriminalität. Es bildeten sich Banden, die Raubüberfälle verübten; besonders häufig sei Einbruchdiebstahl. Abends sollte man nur in Gruppen auftreten. Dennoch ist die Kriminalität für Dr. Steinmetz kein Grund, seine Arbeit vorzeitig zu beenden.

Unzureichende Freizeitmöglichkeiten sind dagegen für einen Maschinenbautechniker im Südwesten der Türkei Anlaß für eine frühere Rückkehr – nach einjähriger Tätigkeit. Von der Familie getrennt will er nicht länger dort bleiben, so erfolgreich er beim Aufbau einer Autoersatzteileproduktion auch gewesen ist. "Ankara liegt 390 km weit, die Reise mit dem Bus dauert sechs Stunden", schreibt er mir; "im Umkreis von 170 Kilometer bin ich der einzige Deutsche und so gibt es keinerlei Kommunikationsmöglichkeit. Eine derartige Isolation hält man nicht lange durch."

Das Problem mangelnder Freizeitmöglichkeiten versuchen deutsche Firmen im Ausland häufig mit einem höheren Einkommen und längerem Heimaturlaub zu lösen. Trotzdem ist die Personalfluktuation beträchtlich.

Ganz anders stellt sich die Situation für einen Gewerbelehrer dar, der nach sechs Jahren Ausbildungstätigkeit in Jamaika in die Bundesrepublik zurückkehrt. "Ich weiß nicht genau, woran es liegt, erklärt er. "Obwohl ich als erfahrener Techniker in Deutschland gute berufliche Chancen habe, zieht es mich zurück nach Jamaika. Deutschland ist zu eng geworden, nicht geographisch, sondern durch das allzu geregelte Leben." Er stellt einen Antrag auf Gehaltszuschuß für eine erneute Tätigkeit als Integrierte Fachkraft in dem mittelamerikanischen Inselstaat. Das liegt eigentlich nicht ganz in der Zielsetzung des Programms; denn Integrierte Fachkräfte sollen für eine begrenzte Zeit in einem Entwicklungsland arbeiten und sich irgendwann überflüssig machen, damit eine ausgebildete einheimische Fachkraft den Arbeitsplatz einnehmen kann.