Ist Vetters Frühwarnsystem schon installiert?

Von Erika Martens

Wir tun das, was wir bei anderen längst als Tun vermuten", sagt Günter Döding, erster Vorsitzender der Gewerkschaft Nahrung, Genuß, Gaststätten (NGG). Und er hält nicht damit hinterm Berg, was seine Organisation tut: Das Frühwarnsystem à la NGG ist nicht nur als Bestandteil der "Grundsätze für die Tätigkeit von Arbeitnehmern in Aufsichtsräten" an die neuen Kollegen mit Aufsichtsratsweihen verteilt worden, auch die 23 betroffenen Unternehmen bekamen das Programm ganz offiziell überreicht.

"Die haben erst gebrummt und dann gefragt, ob wir es nicht anders nennen können." Aber das Kind hatte schon einen Namen, und dabei blieb es: Betriebswirtschaftliches Informationssystem (BIS).

Prognosen möglich

Ein unschöner Titel für eine unschöne Sache? Das Frühwarnsystem, das der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Heinz Oskar Vetter, kürzlich angekündigte und damit einen Sturm der Entrüstung entfachte? Oder eine ganz normale Geschichte, die der besseren Information der Mitbestimmungsträger dient, wie die Gewerkschaften meinen? Was überhaupt ist BIS?

Nach dem Programm will es verstanden werden als programmierte Kapitalflußrechnung, aufgegliedert in eine Reihe von Meßzahlen, die Aussagen über Investitionen und Finanzierungen, Ertragslage der Unternehmen und Verteilung zulassen. Nach einem einheitlichen Schema überträgt die Gewerkschaft Daten aus allen zur Verfügung stehenden Jahresabschlüssen und versucht zusätzlich zu fixieren, was in den Erläuterungen der Papiere steht. Das Ergebnis dieser Mühe wird den Aufsichtsratsvertretern – auf Wunsch auch kommentiert – für diejenigen Unternehmen zur Verfügung gestellt, in denen sie tätig sind.