Warum die Flugzeug-Katastrophe von San Diego unvermeidlich war

Von Wolfgang Kassebohm

Die bisher schwerste Katastrophe, von der die amerikanische Luftfahrt über heimischem Boden getroffen wurde, liegt nun einen Monat zurück. Bei San Diego in Kalifornien kollidierten am 25. September Flug 182 der amerikanischen Inlandlinie "Pacific South-West Airlines", eine Boeing 727, und ein einmotoriges Schulflugzeug vom Typ Cessna 172 in knapp 1000 Meter Höhe. 150 Tote hat dieser Unfall gefordert – 128 Passagiere und sieben Besatzungsmitglieder des 66-Tonnen-Jets, Fluglehrer und Flugschüler an Bord der viersitzigen Cessna und 13 Einwohner des dichtbesiedelten North-Park-Gebietes, fünf Kilometer nordöstlich, von Lindbergh Field, dem internationalen Flughafen von San Diego.

Bis der offizielle Unfallbericht vorliegt, werden Monate ins Land gehen. Auf Grund der vorliegenden Informationen läßt sich der Hergang mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit schon jetzt rekonstruieren. Zeit für eine erste Analyse. Zeit aber auch, um Fragen zu’stellen, die Ursachen zu werten und Lehren aus dem Vorgang zu ziehen.

Kein Fehler, keine Panne

Um ein Ergebnis vorwegzunehmen: Mag man auch nachträglich versuchen, am grünen Tisch der Untersuchungskommission einem der Beteiligten menschliches Versagen, eine Schuld oder Teilschuld anzulasten – nach den vorliegenden Erkenntnissen haben sich die Beteiligten absolut korrekt verhalten. Die erfahrenen Piloten an Bord beider Flugzeuge ließen keine Sicherheitsbestimmung außer acht, aufmerksame Fluglotsen haben beide Maschinen mehrmals vor der drohenden Kollision gewarnt, technische Pannen traten nicht auf – trotzdem ist es zum Zusammenstoß gekommen. Ein von System und Verfahren her mögliches, fast groteskes Zusammentreffen mit fataler Konsequenz.

Hier lag eine Verkehrssituation vor, die an allen Flughäfen der Welt zur Routine gehört. Eine Situation, die täglich, ja stündlich mit den gleichen Mitteln ohne Gefährdung der beteiligten Flugzeuge entschärft wird – hier aber mit absoluter Unausweichlichkeit zur Katastrophe führte. Erschreckend für den Laien, aber nicht überraschend für Fachleute. Sie warnen immer wieder vor den Gefahren des Prinzips "Sehen und gesehen werden" – Rufer in der Wüste!