Zum Glück sind die Zeiten vorüber, in denen die Klassiker in der Schule nur durchgenommen wurden, damit man sie einmal gelesen hat. Seit die Methode, Werke aus ihrer Zeit heraus zu Verstehen, auch in den Schulen Einzug gehalten hat, wird diese Literatur nicht mehr pauschal als langweilig abqualifiziert. Durch "Hintergrundinformationen" bekommt man etwas von der Zeitbezogenheit der Stücke mit, und dadurch werden sie dem Leser lebendig. Findet sich dann schließlich sogar Kritik an gesellschaftlichen Zuständen, entsteht oft eine heftige Diskussion unter den Schülern.

Gabriele Wacker, 18 Jahre

Ich glaube, nur wenige kommen heute noch auf die Idee, Klassiker für sich zu Hause zu lesen. Abgesehen von der uns heute manchmal fremden Sprache liegt es wohl daran, daß uns die Problemstellungen dieser Dichter nicht mehr existentiell berühren. Man muß diese Entwicklung einerseits bedauern, denn so entgeht vielen, wie sehr sich Schiller für so etwas Aktuelles wie Gedankenfreiheit einsetzte. Andererseits darf man ihn aber nicht überbewerten, denn er tat dies nur in seinen Schriften, niemals handelte er aktiv. Politik überließ er gerne seinem Fürsten. Diese Haltung beeinflußte große Teile des Bürgertums im 19. Jahrhundert, das sich ja Goethe und Schiller zu ihren Idolen erwählt hatte. So ist es kein Wunder, daß es die Demokratie in Deutschland besonders schwer hatte. Es liegt also kein Grund vor, Klassiker als einzigartig oder gar unentbehrlich anzusehen, es gibt heute sicher wichtigere Literatur.

Thomas Fischer, 18 Jahre

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Meiner Meinung nach kann es nicht angehen, daß Schüler von den "Göttern Homos" (Homers) oder "Göthe" (Goethe) nichts wissen wollen, bloß weil sie nie in rechter Weise auf sie hingewiesen wurden. Wer durch sein Abitur eine mehr oder weniger breite Allgemeinbildung bescheinigt bekommen hat und nicht als Leistungskurs-intensiv-geschulter Fachidiot dastehen will, sollte wissen, wer Homer und wer Goethe ist, und sollte die Schönheit und die Grenzen des Hexameters sowie der Agitprop- und l’art-pour-Fart-Literatur erfassen und schätzen können. Allerdings: Wenn selbst Lehrer den Verstandesfächern im Unterricht mehr Existenzrechte zubilligen, wird der Verwissenschaftlichung der Schulen und der Gefühlskälte unseres Alltagslebens Tür und Tor geöffnet.

Matthias Müller, 20 Jahre