Zwei Hersteller geben auf, weil sie sich der Nachfragemacht nicht gewachsen fühlen

Vor zwei Jahren hatten, sie sich zusammengeschlossen, um gemeinsam, zu erstarken und im Wettbewerb am nationalen Margarinemarkt bestehen zu können. Jetzt mußten die Partner der Elite Margarine und Feinkost GmbH dennoch die Segel streichen: Zum Jahresende wird die Margarineproduktion des Hamburger Unternehmens eingestellt. Im Sommer 1976 hatten sich drei Hersteller, die Münchner Bayerische Margarine-Werke, die Hamburger Margarine- und Feinkost-Werke von Hinrich Voss und die Holsteinische Margarinewerke Wagner & Co zur "Elite" vereint.

Gleichfalls zum Jahresende wird die ebenfalls in Hamburg ansässige Vereinigte Lebensmittelwerke Elbgau-Rostock GmbH & Co KG ihr Geschäft – die Herstellung von Margarine und Speisefett – aufgeben. Auch Elbgau-Rostock war aus einer Fusion entstanden. Vor sechs Jahren hatten sich die Holsteinische Margarinewerke Elbgau mit den Gebrüdern Rostock Elmshorn zusammengefunden.

Bereits 1973 war eine weitere Margarinefusion geplatzt. Die Hamann und Loh, gerade zwei Jahre zuvor von den Margarineproduzenten Fritz. Homann, Schmitz und Loh sowie den Nürnberger Vereinigte Margarine-Werke gegründet, fiel wieder auseinander. Nur Homann blieb am Markt. An diesen drei Unternehmen war der britisch-niederländische Konzern Unilever zu je fünfzig Prozent beteiligt.

Das Unilever-Tochterunternehmen Homann soll nun Retter der Elite werden. Geplant ist eine Beteiligung von 25 Prozent. Die Elite, die künftig nur noch Feinkost wie Salate und Marinaden produzieren wird, soll ihren Standort von Hamburg nach Kaltenkirchen verlegen.

Die Schuld am Ausscheiden dieser Margarinehersteller wird nicht bei der überlebenden Konkurrenz gesucht. Da sind sich die betroffenen Unternehmen sogar einig mit den unumstrittenen Marktführer, der Union Deutsche Lebensmittelwerke, einem Tochterunternehmen der Deutschen Unilever. Sie fielen vielmehr einem Druck zum Opfer, dem sich immer mehr Hersteller vor allem dann, wenn sie zum Mittelstand zählen, beugen müssen: der Marktmacht der Händler.

Mit dem Vordringen ursprünglich regional ansässiger Einzelhändler auf den nationalen Markt, dem Anschluß von einstmals selbständigen Händlern an Ketten und Genossenschaften sowie dem Vordringen von riesigen Selbstbedienungs-Warenhäusern wurde die Marktposition des Handels so stark, daß nicht er den überaus harten Wettbewerb um die Verbraucher ausbaden muß, sondern die Hersteller der Konsumgüter. "Die Konzentration auf Seiten des Handels‚ so sieht es heute der Mitinhaber von Elbgau-Rostock, Jürgen von Storch, "hat sich spiegelbildlich auf seiten der mittelständischen Betriebe nicht vollzogen." Und auch Kurt Möck, Chef der mit knapp sechzig Prozent Anteil am Margarine-Markt führenden Union, hält die Fusionen in der Branche "für zu klein".