Zeichnet sich zwischen der Bayer AG und ihrem jahrelangen Prozeßgegner Willy Kaus, dem früheren Inhaber der Metzeler-Gruppe, endlich eine Einigung ab? Kaus hatte die Metzeler-Firmen, an denen Bayer schon vorher beteiligt war, 1974 voll an den Chemie-Multi verkauft, unverzüglich darauf aber den Kaufpreis angefochten und Bayer mit einer Reihe von Gerichtsverfahren überzogen. Auch in den Hauptversammlungen machte er mit heftiger Opposition den Leverkusener Bossen zu schaffen.

Seit einigen Monaten sind, so glauben Beobachter, wieder Gespräche im Gange. Kaus wollte von Bayer auf den Kaufpreis von mehr als 150 Millionen Mark einen Nachschlag. Doch die Bayer-Leute verwiesen darauf, daß sie in die Metzeler-Gruppe, die sich finanziell in einem desolaten Zustand befand, bereits weit mehr als 400 Millionen Mark zur Sanierung gepumpt haben.

In der vergangenen Woche hat der Bundesgerichtshof sowohl die Klage Kaus’ auf Feststellung der Nichtigkeit des Bayer-Jahresabschlusses 1974 als auch die Rechtsbeschwerde gegen das Urteil des Berliner Kammergerichts vom Oktober 1976 in dem von Kaus angestrengten Kartellverfahren zurückgewiesen. Das Oberlandesgericht Düsseldorf entschied fast gleichzeitig gegen die Einleitung einer Sonderprüfung.

Trotz solcher eindeutiger juristischer Siege scheuen die PR-Mannen um Bayer-Chef Herbert Grünewald Erfolgsmeldungen. Diese „weiche Welle“ deutet darauf hin, daß Grünewald nicht an neuen Schlagzeilen liegt, sondern daß er den Streit mit dem störrischen 78jährigen Kaus nun in einem Aufwaschen beilegen will.

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Autofahrer und Chemische Industrie kämpfen um ein knappes Produkt. Benzin wird mehr und mehr zur Mangelware, weil die Struktur der europäischen Raffinerien längst nicht mehr den Marktbedürfnissen entspricht. Es fehlt an Anlagen, die das immer schlechter abzusetzende schwere Heizöl in Benzin und leichtes Heizöl aufspalten. Die Mineralölindustrie weitet zwar bestehende Anlagen aus, hat aber immer noch nicht Herz genug, um neue Spaltanlagen zu bauen.

Dabei ist die Preisdifferenz zwischen schwerem Heizöl einerseits und Benzin sowie leichtem Heizöl andererseits im Augenblick groß genug, um den Bau neuer Anlagen wirtschaftlich zu machen. Bei Preisen von 340 Mark für eine Tonne Benzin und von 250 Mark für die gleiche Menge leichten Heizöls beträgt die Differenz zum Preis für das schwere Heizöl – hier kostet eine Tonne 165 Mark – mehr als die einhundert Mark.