Der 13. Juni 1731 war es, als in die Rolle der Solinger Messermacher ein Zeichen eingetragen wurde, das bis heute unvermindert lebendig geblieben ist und das, als mutmaßlich ältestes deutschen Markenzeichen, mehr als zweihundert Jahre überdauert hat: das Zwillingszeichen des Solinger Messermachers Peter Henckels. Damals wurde das Zeichen durch dreimaliges gerichtliches Ausrufen bekannt gemacht. Die Eintragung wurde auch in den Kirchen der Umgebung bekanntgegeben.

Erst in der vierten Generation freilich übernahm der Zwilling die Rolle eines echten Fabrikzeichens. Johann Abraham Henckels, nach dem die Firma J. A. Henckels benannt wurde, führte das vom Vater Joh. Gottfried übernommene Werk aus der Enge des Solinger Handwerks heraus zu einem Unternehmen mit weltweit agierender Verkaufsorganisation. Schon 1819 annoncierte Johann Abraham im Berliner Intelligenzblatt seine erste „Niederlage in der Fischerstraße No. 27, eine Treppe hoch“. Er empfahl sich „allen hohen Herrschaften, wie auch einem geehrten Publikum, mit einem Lager in Stahlwaren nach dem neuesten Geschmack“ und bat um „geneigten Zuspruch unter Versprechung der billigsten Bedienung“.

Der Firmengründer achtete bereits penibel auf Qualität seiner Ware. War der Schliff der Messer nicht nach seinem Wunsche, so soll J. A. Henckels sie in die Spree geworfen haben. Seine Nachfahren waren nicht weniger qualitätsbewußt. Eine Flut von Medaillen, die auf Gewerbe-, Industrie- und Weltausstellungen empfangen wurden, geben darüber Zeugnis ab.

Johann Abraham, der jüngere Sohn des Firmengründers, baute 1867/68 eine eigene Gußstahl-Fabrik auf, so daß das Solinger Werk von Stahllieferungen unabhängig wurde. Seither wird alles unter einem Dach gefertigt. 1883 wurde die erste Auslandsniederlassung in New York gegründet. Weitere Verkaufsniederlassungen wurden zwischen 1884 und 1911 in Wien, Köln, Hamburg, Frankfurt a. M., Dresden, München und Paris eröffnet.

Im Jahre 1895 wurde der Zwilling beim Kaiserlichen Patentamt unter der Warenzeichen-Nummer 7175 eingetragen. Um die Jahrhundertwende waren die Solinger Zwillinge so berühmt, daß sie sogar in Karikaturen erschienen. Und der Afrika-Forscher Leo Frobenius gab 1905 einer Berggruppe im Kongo den Namen Henckelsberge, zwei Hügel dieser Gruppe nannte er „Die Zwillinge“.

Das Zwillingszeichen ziert ein Prunkschwert, das alte Krieger in Solingen in Auftrag gaben, um es Kaiser Wilhelm I. anläßlich seines siebzigjährigen Militärjubiläums zu überreichen. Der erste Spatenstich, mit dem 1900 der Bau des Teltowkanals eröffnet wurde, wurde mit einem versilberten Spaten aus den Henckelswerken gemacht. Der Zwilling zierte den Schaft des Spatens.

Noch heute wird das Unternehmen von Solingen aus geführt. Das rund 1200 Artikel umfassende Sortiment wird in über 100 Ländern exportiert, wo auch die Marke rechtlich geschützt wurde. Allein in Deutschland gibt es 17 Verkaufsfilialen.