Die USA probten den Handelskrieg, und die Österreicher gaben klein bei

Zu mächtig war der Gegner für die kleine Alpenrepublik, und der Gegner scheute sich auch nicht, mit dem dicken Knüppel zu drohen: Die Vereinigten Staaten haben dem neutralen Österreich sehr deutlich zu verstehen gegeben, daß es sich auf den Österreichischen Export von Käse und Skiern nachteilig auswirken werde, wenn Wien mit der Entwicklung einer eigenen Soja-Industrie Ernst machen sollte. Österreich mußte zurückstecken – vorerst.

Unter dem Druck ständig steigender Hektarerträge in der heimischen Landwirtschaft und gleichzeitig wachsender Schwierigkeiten beim Export österreichischer Agrarüberschüsse hatte man in Wien über Alternativen für die Landwirtschaft nachgedacht. Einen Ansatzpunkt entdeckten Fachleute bei der hohen Importabhängigkeit bei Pflanzenölen, die zu 95 Prozent aus dem Ausland kommen. Der Traum einer eigenen österreichischen Ölmühle, versorgt von heimischen Raps-, Sonnenblumen- und Sojabohnenbauern, wurde geboren. Eine "Olioprot Agrarverwertungs GmbH" wurde gegründet.

Unterstützt wurde dieser Plan vom Landwirtschaftsministerium. In der ersten Phase sollten in Österreich etwa 120 000 Tonnen Raps und Sonnenblumen aufgebracht werden, um die Bauern vom Weizen wegzulocken, der die Staatskasse zu hohen Unterstützungszahlungen für die Weizenvermarktung zwingt. Zudem sollte das eigene Öl zu einer höchst willkommenen Einsparung von Devisen führen.

Landwirtschaftsminister Haiden rechnet mit einer gewissen Verbesserung der im vergangenen Jahr mit 74 Milliarden Schilling defizitären Handelsbilanz. Österreich importierte 1977 hunderttausend Tonnen Pflanzenfett für 1,1 Milliarden Schilling und Sojaschrot für 1,27 Milliarden Schilling. Dabei sind die Bauern selbst die großten Importeure. Sie bestellen das billige Futter waggonweise, seit sie gemerkt haben, wie billig Milch mit Soja als Futter ist.

Der Autarkie-Plan der Österreicher hat allerdings einen Haken: die hohen einheimischen Preise. So ist importierter Raps schon für weniger als drei Schilling zu haben, für Eigenbau verlangen die Bauern aber mindestens sieben bis acht Schill ling. Der Landwirtschaftsminister Haiden sollte daher dem Projekt mit Subventionen unter die Arme greifen – und hatte dafür auch schon eine Geldquelle: eine zweckgebundene Importabgabe auf Pflanzenfett.

Diese Idee rief nun die Amerikaner auf den Plan, die am Export ihrer eigenen Sojaproduktion interessiert sind. Sie bezeichneten die Pflanzenölabgabe als Zollmaßnahme und damit als einen Verstoß gegen das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen (GATT).