Der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Wolfram Thiele, gab sich zuversichtlich. Für die anlaufenden Tarifverhandlungen prophezeite er jüngst eine "Lohnrunde der Besinnung und der Vernunft". Und das heißt für ihn: mehr Wachstum "durch weniger Lohnerhöhung" als 1978.

Thiele steht mit dieser Forderung nicht allein. Niedrigere Tarifabschlüsse als in diesem Jahr empfiehlt auch der Sachverständigen in seinem Jahresgutachten. Und der Bundesverband deutscher Banken mahnt die Tarifpartner vorsorglich, "nicht wieder ein zu großes Stück von einem noch nicht gebackenen Kuchen zu verteilen".

Etwas über fünf Prozent mehr Lohn und Gehalt erstritten die Arbeitnehmer in der Metallverarbeitung 1978; acht Prozent hatten sie verlangt. Nun liegen die ersten Forderungen für die neue Lohnrunde auf dem Tisch Einkommensverbesserungen zwischen sechs und 6,5 Prozent und eine stufenweise Anhebung des Urlaubs auf sechs Wochen sind die wichtigsten Komponenten.

Eine moderate Forderung, die die Hoffnung auf eine Tarifrunde der Besinnung und der Vernunft nährt? Eine Forderung, die einen Tarifabschluß unterhalb des Ergebnisses vom Frühjahr dieses Jahres möglich macht?

In der Tat, die Forderung kommt vielen moderat vor. Als Signal für einen niedrigeren Abschluß als 1978 läßt sie sich allerdings nicht deuten. Denn die Wünsche der Basis und der Wille der Funktionäre, die für dieses Jahr ein Volumen von sieben bis acht Prozent für das gesamte Paket von Lohnanhebung und Nebenforderung empfohlen haben, scheinen nicht ganz übereinzustimmen.

Die Gewerkschaftsführer werden in arge Schwierigkeiten kommen, wenn sie am Ende dieser Runde der Mitgliedschaft nicht eine Lohnanhebung präsentieren, die mindestens so hoch ist wie die letzte. Und auch beim Urlaub erwarten die Mitglieder etwas.

Überhaupt sind die Erwartungen in diesem Jahr sehr hoch. Die Arbeitnehmer wollen von der erfreulichen Gesamtlage der Wirtschaft profitieren. Eindeutige Priorität auf ihrer Wunschliste hat dabei diesmal die prozentuale Anhebung.