Von Jes Rau

Aus der dreißig Milliarden Dollar schweren Kriegskasse zur Verteidigung des Dollarkurses hat die amerikanische Zentralbank inzwischen wahrscheinlich schon ein Drittel am Devisenmarkt verpulvert. Der Federal Reserve Bank droht an der Währungsfront die Munition weit schneller auszugehen, als man’sich das in Washington vorgestellt hat. Erschwerend kommt hinzu, daß der amerikanischen Zentralbank von den dreißig Milliarden nur die Hälfte sofort zur Verfügung steht. Die übrigen fünfzehn Milliarden wollen die Amerikaner ja erst noch pumpen: Fünf Milliarden beim Internationalen Währungsfonds und zehn Milliarden durch die Ausgabe von amerikanischen Staatsanleihen, die auf Hartwährungen wie Yen, Mark und Schweizer Franken ausgestellt werden sollen.

Der Haken ist, daß sich Washington vor der überstürzten Ankündigung des Stabilisierungsprogramms offensichtlich keine Gedanken darüber gemacht hat, wie diese Anleihen verkauft werden sollen. Es dürften deshalb noch einige Monate ins Land gehen, bis diese Devisen eingesammelt sind. Aber selbst wenn der Pump schnell und reibungslos über die Bühne geht, erscheint es fraglich, ob Washington mit den Devisen auch genug Zeit "kaufen" kann, um die Wurzeln des Dollarübels so weit zu bekämpfen, daß sich der internationale Geldmarkt dauerhaft stabilisiert.

Die Erholung des Dollarkurses in den zurückliegenden Wochen auf Grund der massiven Interventionen der Fed war nämlich für viele multinationale Konzerne die Gelegenheit, um Dollarguthaben und auf Dollar lautende Forderungen in Hartwährungen umzuwechseln, offensichtlich in der Erwartung, daß der Dollar später wieder fallen wird. Zum großen Ärger der Amerikaner haben gleichzeitig auch die Zentralbanken kleinerer Länder – unter ihnen Dänemark, Holland und Belgien – einen Teil ihrer Dollarreserven auf dem Devisenmarkt abgeladen, um sich mit Mark einzudecken.

Das US-Finanzministerium gibt sich allerdings redlich Mühe, Spekulationen darüber, daß das Devisenpulver knapp werden könnte, zu zerstreuen. So hört man die Andeutung, wonach das dreißig Milliarden schwere Carepaket nur als ein kleiner Teil der Gelder anzusehen ist, die den Amerikanern notfalls vom Ausland zur Verteidigung des Dollar zur Verfügung gestellt werden. Ob es aber konkrete Absprachen mit den Japanern, Deutschen und Schweizern gibt, das Swap-Abkommen im Notfall aufzustocken, ist unklar geblieben. Theoretisch können die ausländischen Zentralbanken den Amerikanern natürlich soviel Mark, Yen und Schweizer Franken zur Verfügung stellen, wie sie nur wollen. Praktisch sind dieser Devisenzauberei aber Grenzen gesetzt, weil dadurch der Nährboden für den Inflationsbazillus noch weiter vergrößert wird.