Seit Spikereifen von Deutschlands Straßen verbannt sind, stehen die Autofahrer zu Beginn der kalten Jahreszeit wieder vor Problemen: Mit welchen Reifen oder Zusatzgeräten fährt man am besten und sichersten über Schnee und Eis?

Zwar bieten die seit langem zur Serienausstattung fast aller Autos gehörenden Gürtelreifen bei jedem Wetter eine gute Bodenhaftung. Doch wer bei Schnee in die Berge will, sollte trotzdem sein Auto umrüsten. Ein teures, aber bequemes Winterfahren ermöglichen dabei die "M+S"- und "Haft"-Reifen. Mit ihnen darf auch auf trockener Straße bis zu 160 Stundenkilometer schnell gefahren werden, der Reifenwechsel für Stadt- und Autobahntouren ist also unnötig.

Dafür kostet ein Satz Winterreifen 320 und 500 Mark, fest montiert auf eigene Räder nochmals 100 bis 200 Mark mehr. Zwar werden zur Zeit auch viele Sonderangebote offeriert, so daß es für den gleichen Reifen Preisunterschiede bis zu 120 Prozent gibt. Doch selbst bei günstigem Kauf sind Winterreifen eine Anschaffung, die sich nur bei eifrigem Gebrauch auf verschneiten Straßen rentiert. Denn auf trockenen Pisten ist der Verschleiß durch das grobe Profil und die weichere Gummimischung besonders hoch. Die M+S-Gürtelreifen stehen da den sogenannten Haftreifen in nichts nach – auch nicht in der Bodenhaftung. "Der Begriff ‚Haftreifen‘ ist ein Unsinn der Marketing-Strategen", schimpft Jörg Wurm vom ADAC, "denn auf glatter Fahrbahn ist die Fliehkraft des schweren Autos in jedem Fall größer als die beste Bodenhaftung."

Wer nur gelegentlich sein Auto durch die verschneite Landschaft steuert, der kann ein paar Hundertmarkscheine sparen und statt dessen Schneeketten kaufen. Sie kosten zwischen 60 und 400 Mark pro Paar und halten länger als die grobstolligen Spezialreifen. Allerdings nur im Schnee. Obwohl es kein gesetzliches Tempolimit für Kettenautos gibt, kann eine längere Fahrt auf Trockenstrecken teuer und gefährlich werden: Bei mehr als 50 Stundenkilometern können die Kettenglieder reißen, oder Auto fängt schon vorher an zu schleudern, weil es auf Ketten kaum noch Bodenkontakt hat.

Doch auch im Schnee sollte man mit metallumspannten Rädern nicht schneller als 70 Stundenkilometer fahren. Denn die Bremswege sind extren lang und die Richtungsstabilität nimmt ab. Und schon bei geringen Geschwindigkeiten ist das Fahrverhalten unsicher.

Noch billiger können Winterfahrer ihre Räder schneesicher machen, indem sie sich bei den Automobilklubs Schneeketten leihen. Der ADAC hält in 79 Geschäftsstellen im gesamten Bundesgebiet, 24 davon im Voralpenland (siehe Karte), 16 000 Kettenpaare aller gängigen Radgrößen bereit, die für 100 Mark Kaution sowie 7,50 Mark Bearbeitungsgebühr und täglich drei Mark Leihgebühr vergeben werden. Auch der AvD verleiht in seiner Frankfurter Zentrale, in München und Lindau Schneeketten zu ähnlichen Konditionen.

Und wer die Kettenmontage mehr als die Kosten scheut, der kann zu Preisen zwischen 100 und 200 Mark ein Paar Anfahrklammern erstehen. Sie sind zwar bequemer zu befestigen als die meisten Ketten, müssen aber wieder abgeschraubt werden, sobald der Wagen auf festerem Untergrund steht. Sonst können sich die Klammern selbsttätig lösen, loskatapultiert werden und in den Radkästen" oder beim Hintermann schwere Schäden anrichten.