Wo stecken die vier von Jugoslawien freigelassenen Terroristen? Das ist natürlich Gesprächsstoff in allen Bonner Zirkeln. Aber die Erkundigungen in Belgrad haben dazu offenbar nichts erbricht. Wichtig als Indizien sind jedoch die aktuellen Photos, die mitgebrachten Fingerabdrücke und einige andere kriminaltechnische Erkenntnisse. Daß das Quartett noch in Jugoslawien sein könnte, ist nicht mehr als ein Denkmodell. Die meisten tippen statt dessen auf den Irak. Und Leute, die sich ein wenig auskennen, steuern die Version bei, Belgrad habe dem Aufnahmeland das Versprechen abgenommen, die vier seinerseits für längere Zeit festzuhalten. Das ergibt in der Tat Sinn, denn leicht läßt sich die nachträgliche Empörung ausmalen, die Jugoslawien träfe, wenn auch nur einer der Terroristen alsbald wieder an einem Anschlag beteiligt wäre. Wo sie sich aber tatsächlich aufhalten, darüber darf weiter gerätselt werden.

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Im übrigen Hat Bonn für den künftigen Umgang mit Belgrad die salomonische Devise ausgegeben, die Sache nicht auf sich beruhen zu lassen, aber Überreaktionen zu vermeiden. Also zeigt man nur lau die kalte Schulter. Bei dem Empfang zum jugoslawischen Nationalfeiertag am Mittwoch war das politische Bonn nur in schmaler Besetzung vertreten, wie Titos Botschaft überhaupt reihenweise Absagen erhalten haben soll.

Indes, der aus Belgrad zurückgerufene deutsche Botschafter Jesco von Puttkamer wird wohl schon in diesen Tagen sein Zimmer im Bonner "Königshof" wieder verlassen und auf seinen Posten zurückkehren – freilich nur, um allmählich mit seinen Abschiedsrunden zu beginnen, denn im nächsten Jahr wechselt er im Zuge eines normalen Revirements nach Lissabon, während der bisherige Missionschef in Wien, Horst Grabert, nach Belgrad geht.

Wie man die jugoslawische Sache nicht auf sich beruhen lassen könnte, darüber sind die Artisten in der Regierungskuppel freilich ziemlich ratlos. Die jugoslawischen Adriastrände mit einem Touristenboykott zu überziehen, auf diesen ebenso kraftmeierischen wie unrealistischen Wink mit dem Volkszorn konnte wohl nur die CSU verfallen. Ob Belgrad, weil es sich über manche Klauseln des Auslieferungsvertrages hinweggesetzt hat, dieserhalb zur Rede gestellt und womöglich vor ein Schiedsgericht gezogen werden soll, wird noch überlegt. Am, wirkungsvollsten erscheint es noch, die jugoslawischen Wünsche in Brüssel, für die sich Bonn stets sehr verwendet hat, nicht mehr so nachdrücklich zu unterstützen.

Herbert Wehner, der sich an parlamentarischem Pflichtbewußtsein von niemandem übertreffen läßt, erteilt der Volksvertretung weiter Lektionen. Erst jüngst hatte als das Plenum an einem Freitag wieder einmal miserabel besetzt war, den Bundestag mit dem Antrag erschreckt, die Beschlußfähigkeit des Hauses feststellen zu lassen.

Jetzt hat er tadelnd davon gesprochen, sich viele Abgeordnete nur "mit gewissen Spezialfragen" befaßten und ihren Ehrgeiz darauf richteten, mit der Ministerialbürokratie "hinsichtlich des Raffinements von Bestimmungen und Unterbestimmungen" zu wetteifern, während die allgemeine politische Debatte zu kurz komme.