Seine Menschen sehen aus wie ausgestopfte, von Laienhand genähte Puppen; sie haben steife Polsterglieder, sehen im Gesicht ein bißchen dumm aus und für die Berufe, die zu demonstrieren sie erfunden wurden, eher ungeeignet – doch was macht das schon, wenn man mit vergnügter Spannung verfolgen darf, wie eine ganze Burg gebaut wird. Auch dieser neueste Comic-Strip des witzigen und akribischen Architektur-Erzählers David Macauley ist so amüsant wie interessant – für Kinder und für diejenigen, die ihnen dieses Buch kaufen. Es hat den Titel "Es stand einst eine Burg" und schildert den Bau einer schön erfundenen Festung und der ebenso erfundenen Stadt Aberwyvern, die der englische König Edward der Erste den erfundenen Lord Kevin hat bauen lassen, damals, vom 27. März 1283 an ein Dutzend Jahre lang, damit er mithelfe, die aufrührerischen Waliser zu unterjochen.

Macauley führt das vor, wie er es mit Dom und Rom, Pyramide und Kanalisation gemacht hat: Er erzählt eine Geschichte und zeichnet ihre Gegenstände, hier also den Entstehungsprozeß des kriegerischen Anwesens Aberwyvern auf einem Kalksteinberg am Meer, dort, wo der Fluß Wyvern mündet. Er skizziert geduldig alle Details, zeichnet Grundrisse, Schnitte, Ansichten aus vielerlei Perspektiven; er stellt die Handwerker vor und ihre Werkzeuge, auch die Waffen der Besatzung, das Baumaterial und die Bauweise. Er erklärt in Wort und Bild, daß eine Wurfmaschine wie ein "Katapult" funktioniert und die Mauern in "Schalenbauweise" errichtet wurden, daß eine "Schartenbacke" der hochragende Teil der Zinne ist und das "heymliche Gemach" das Plumpsklosett. Macauleys Geschichtsbild ist atemberaubend unkompliziert und naiv; so sind Lord, Pastor und Volk selbstverständlich ein Herz und eine Seele.

Der Leser erlebt noch einen Sturm auf die Burg, ehe der Autor sie der ungeschriebenen Geschichte überläßt. Und wer sie heutzutage vergeblich suchte, dem nennt er einen schönen Grund: Sie "wurde zu einem Steinbruch für den Bau von neuen Häusern in der Stadt". Darüber ist er froh, denn als Motto seines Buches "Es stand einst eine Burg" hat er sich dies ausgedacht: "An die Vergangenheit – ein Lebewohl!" (Aus dem Englischen von Elisabeth Schnack; Artemis Verlag, München, 1978; 80 S., 24,50 DM) Manfred Sack